Manchmal jedenfalls.
Inzwischen glaube ich zu verstehen, warum ich verheiratete Männer so anziehe. Ich versuche nicht, ihnen zu gefallen. Ich rede offener mit ihnen. Sie sind für mich völlig out of scope.
Bis vor kurzem hatte ich geglaubt, dass ich überhaupt nie versuche, zu gefallen. Ich sage gradeaus, was ich denke. Ist mir doch egal, wie andere das finden. So bin ich beruflich wie privat. Das habe ich schwarz auf weiß.
Ich habe neulich in einer Schulung einen so genannten Antreiber-Test gemacht. Danach gibt es 5 Dinge, die uns antreiben. Mein Ergebnis sah so aus:
Sei perfekt. Extrem ausgeprägt.
Sei stark. Unterdurchschnittlich.
Sei gefällig. Unterirdisch.
Streng Dich an. Sehr gering ausgeprägt.
Sei schnell. Ach was.
Stark sein muss ich nicht, ich bin ein Mädchen.
Gefällig? Wieso? Mich mögen doch eh alle.
Anstrengen? Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es springen muss.
Schnell? Setz mir ne Deadline und ich halte sie (ich bin perfekt). Je knapper die Deadline, desto besser das Ergebnis. Setzt Du mir keine, kannst Du warten. Und warten. Und warten. Mein letzter Projektleiter hat das zu spät gemerkt. Meinem jetzigen hat er einen Tipp gegeben: „Sie funktioniert besser unter Druck.“
Neulich habe ich bemerkt, dass das Ergebnis doch nicht immer stimmt. Wenn mir jemand gefällt, will ich meine Schokoladenseite zeigen. Und das geht wirklich immer in die Hose. Vielleicht, weil ich das nie geübt habe?
Jemand weiß schon ganz genau, worum es geht. „Nach dieser Blaubeer-Nummer hätte ich mich beinah übergeben.“
Ich: „So schlimm war das jetzt auch wieder nicht.“ Der kleine Mann versteckt verschämt sein Gesicht hinter den kleinen Händen.
Ich hatte Blaubeeren gepflückt. Eigene. Von meinem Balkon. Ich war stolz und habe ein Foto verschickt. An Noah. Er hat was schwedisches und ich mag ihn.
Mann im Ohr: „Du magst ihn? Du findest ihn heiß!“
Ich: „Ich mag ihn. Also…beides. Ich finde ihn klug. Er ist tiefgründiger, als ich erwartet hatte.“ Ich ertappe mich gerade selbst. So viel Tiefgang hatte ich nicht erwartet, weil er so gut aussieht. „Er sagt manchmal Dinge, die mir nicht gefallen. Er bringt mich zum nachdenken. Er ist keiner, der mir den ganzen Abend erzählt, wie schön oder sexy ich bin.“
Mann im Ohr: „Weil er Dich nicht schön oder sexy findet?“
Das ist gemein. Aber es kommt noch schlimmer. „Oder er ist so ein Pick-Up-Artist und sein gespieltes Desinteresse ist eiskalte Strategie.“
Nie.im.Leben. In meinem Bauch rumort es. Er weiß jedenfalls nicht, dass ich ihn toll finde oder er findet mich nicht gut oder was auch immer. Es kam nie zu mehr als einer Begrüßungsumarmung.
Mann im Ohr: „Eure Ohren waren so nah aneinander, dass ich zu der Frau in seinem Kopf rüberhuschen konnte. Sie ist viel heißer als er.“ Das kann ich mir nicht vorstellen. „Sie ist wunderschön. Sie hat so sinnliche…“
Na ja, Noah antwortete auf das Blaubeer-Bild: „Das reicht aber wirklich nur für eine Person.“ Ich erwiderte wahrheitsgemäß: „Weil ich zu faul war, den Rest zu pflücken.“ Darauf kam „Das hört kein Mann gerne. Dass Du nur für Dich Essen zubereitest.“
Mann im Ohr: „Und dann hast Du kurz die Luft angehalten und ganz langsam wieder ausgeatmet. Und nach Luft geschnappt. Und währenddessen sind die Gedanken durch Deinen Kopf gewirbelt. Ich konnte
‘Was bildest Du Dir eigentlich ein?’
‘Ich bin nicht auf der Welt, um einem Mann zu gefallen.’
‘Was willst Du eigentlich? Mich nicht mal nach nem Date fragen, aber Ansprüche stellen?!’
und einiges mehr sehen.“
Ich kann ihm nicht widersprechen.
Mann im Ohr: „Und was hast Du stattdessen geantwortet?“
Ich muss nachsehen, aber ich weiß noch, dass es nicht im Entferntesten mit meinen impulsiven Gedanken zu tun hatte. „Ich hätte mehr gepflückt, wärst Du hier.“
Mann im Ohr: „Der Nachsatz war noch schlimmer.“
Ich: „Hör auf. Ich will nicht daran denken.“ Es hatte was mit Pfannkuchen zum Frühstück zu tun.