Ich liebe Zahlen

Man kann so herrlich damit spielen. Man kann zum Beispiel ausrechnen, ob sich Online-Dating lohnt.

Ich hatte über Tinder 108 Matches und habe davon 7 Männer getroffen. Einen davon, Noah, kannte ich bereits aus dem wahren Leben, ich zähle ihn hier trotzdem mal mit.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt ein Date war.“ murmelt es leise.
Ich: „Da hast Du Recht, vielleicht waren es nur anlassbezogene Treffen, keine Dates. Aber die Tatsache, dass er gezahlt hat, spricht für ein Date.“

Ich zähle ihn also als Tinder-Date. Mit einem Mann kam es zu einem Kuss, zu Geschlechtsverkehr oder irgendetwas dem auch nur annähernd verwandten kam es mit niemandem.

Wenn man nun außer Acht lässt, dass hier lediglich eine Tinder-Userin betrachtet wird, dass deren Dating-Verhalten das Ergebnis beeinflusst hat und eine statistische Signifikanz hier deshalb wohl nicht gegeben ist, ergibt sich folgendes Bild:

Immerhin 6,48% aller Tinder-Matches führen zu einem Date.

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Tinder-Match ein Kuss resultiert, liegt bei mickrigen 0,92%.

Das bedeutet, man braucht 108,7 Matches, um einmal geküsst zu werden. Und das ist dann noch kein Prinz.

Zu sexuellen Annäherungen kommt es sowohl bei 0% der Matches als auch bei 0% der geliketen Personen.  

Betrachten wir nun mein Dating-Verhalten über die gesamte Lebensdauer.

Es gilt anzumerken, dass ich Beziehungen hatte, die ohne vorherige Dates zustande kamen. Früher gab es das. Da kannte man sich aus der Schule oder über Freunde und plötzlich war man zusammen. 2 meiner Beziehungen ergaben sich so.

Nehmen wir also hier nur die Dates. Bedauerlicherweise habe ich mir nicht alle gemerkt. Ich war nicht darauf eingestellt, mal eine statistische Erhebung daraus zu machen. Es waren allerdings nicht viele und ich erinnere mich immerhin an alle Dates, die je zu Küssen geführt haben. Nehmen wir also alle Kuss-Dates.
Es waren, Tinder-Dates eingerechnet, 5 Dates, bei denen es zu einem oder mehreren Küssen kam. Von den Dates kamen 4 im weitesten Sinne online zustande, eins ergab sich nach einer Begegnung über eine Freundin. Aus den 5 Kuss-Dates wurden in 2 Fällen feste, längere Beziehungen, in einem Fall blieb es bei einem Kuss und in 2 Fällen ergab sich daraus eine mehr oder weniger komplizierte Geschichte, aber keine Beziehung. Von den komplizierten Geschichten kam es in einem Fall zu Geschlechtsverkehr, in einem Fall nicht.

Das bedeutet:

40% aller Dates, die zu einem Kuss führen, führen zu einer festen Beziehung.

Ebenfalls 40% dieser Dates führen zu „etwas Kompliziertem“.

60% der Küsse führen zu Geschlechtsverkehr.

Aus 20% der Kuss-Dates wird nichts.

Betrachten wir nun ausschließlich meine Nicht-Online-Dates:

100% der Nicht-Online-Dates führten zu Geschlechtsverkehr und gleichzeitig in eine feste Beziehung.

Zum Vergleich:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nicht-Online-Date zu einem Kuss führt ist 109 mal so hoch wie die von einem Tinder-Date.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tinder-Date mit Kuss zu einer Beziehung führt, ist 40 Prozentpunkte geringer als die der Gesamt-Dates mit Kuss.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tinder-Date zu einer Beziehung führt, liegt 100 Prozentpunkte unter der eines Nicht-Online-Dates.

Ebenso verhält es sich mit der Wahrscheinlichkeit für Geschlechtsverkehr. 

Der Mann in meinem Kopf läuft nervös vor meinem Trommelfell auf und ab. „Mir gefällt das nicht.“
Ich: „Ich weiß jetzt, dass Online-Dating nicht das richtige für mich ist. Mein Bauch hat das schon immer gesagt, aber jetzt habe ich Zahlen, Daten und Fakten dazu.“
Jemand klatscht begeistert in die Hände: „Siehst Du, dann musst Du Dir keine Sorgen machen. Dein Bauch lenkt Dich schon ganz richtig.“ 
Ich habe tatsächlich ein bisschen weniger Angst vor dem geplanten Eingriff.
Mann im Ohr: „Aber das meinte ich nicht.“

Ich: „Was gefällt Dir nicht?“
Mann im Ohr: „Was, wenn da ein Rechenfehler drin ist? Oder ein Denkfehler? Das kann doch die ganze Welt lesen. Dann halten Dich alle für dumm.“
Ich: „Das wäre ganz wunderbar.“ Ich drehe meinen Kopf ein bisschen, damit der kleine Mann den Artikel im Stern lesen kann.

Hinterlasse einen Kommentar