Ich bin ein Drückeberger

Ich bin kaum zuhause, als sich eine Stimme meldet und mir sagt, dass wir aufräumen müssen.

Ich: „So schlimm sieht es gar nicht aus. Nur Wäsche bügeln wäre dringend angesagt. Hab gar keine bürotauglichen Sachen mehr.“ Mir entfährt ein Seufzer. Guiseppes Angebot war schon reizvoll.
Mann im Ohr: „In Deinem Kopf.“
Mir schwant Böses. Ob ignorieren hilft? Ich bin ganz gut darin, Dinge auszusitzen.
Mann im Ohr: „Du räumst immer alles auf. Deine Wohnung und Deinen Balkon, Dein Auto. Sogar Deinen Desktop.“
Ich: „Der Schreibtisch im Büro wäre mal wieder dran. 5S ist das nicht mehr. Aber das geht erst Montag wieder.“
Der kleine Mann lässt sich nicht beirren. „In Deinem Kopf herrscht Chaos. Hier stapeln sich Glaubenssätze und unausgegorene Gedanken. Wir müssen ordnen, aussortieren, vielleicht ein paar Neuanschaffungen machen. Je nachdem, was die Bestandsaufnahme ergibt.“ Bei dem Wort ‘Neuanschaffungen’ wird es warm in meinem Bauch.
Ich: „Ich verstehe das alles nicht. Dass ich nicht denken soll, macht es nicht grade leichter.“
Mann im Ohr: „Ich habe in den letzten Tagen eine Analyse durchgeführt.“
Ich: „Von was?
Mann im Ohr: „Umfassend. Alles hier oben. Wertvorstellungen, Fähigkeiten, geistige Leistungsfähigkeit, Verhalten.“
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Ergebnis wissen will.
Mann im Ohr: „So schlimm ist es nicht! Du musst Dir gar keine Sorgen machen. Deine Wertvorstellungen passen prima zu dem Beziehungstyp, der gut für Dich ist und zu dem Mann, den Du Dir wünscht.“
Ich: „Dann ist doch alles gut?“ Mir behagt diese Operation nicht. Warum geht das nicht in Vollnarkose?
Mann im Ohr: „Die Wertvorstellungen bilden aber nur einen Teil der Basis. Zusammen mit Glaubenssätzen. Deine Fähigkeiten und Dein Verhalten fußen darauf. Die Glaubenssätze müssen wir aussortieren.“
Mir wird flau. „Ich verstehe das alles nicht.“ Ich bin völlig k.o. vom Nicht-Denken. Aber dann habe ich doch noch eine Frage. „Was für ein Beziehungstyp passt denn zu mir? Und was für einen Mann will ich?“
Der kleine Mann seufzt. „Wir müssen wirklich ganz von vorn anfangen.“ Ich gähne. In meinem Kopf bewegt sich etwas. Jemand räumt sein Bett zurecht. „In diesem Chaos findet man kaum einen Schlafplatz. Vielleicht vertagen wir das doch auf morgen. Wir haben ja keine Deadline.“