Mein Bauch will was Vielschichtiges

Ich frage mich, wie Leute das machen, die ihr Leben nach ihrem Bauchgefühl ausrichten. Mich macht diese Gefühls-Sache völlig fertig. Ich will ein Rezept, das in sich schlüssig und nachvollziehbar ist und basta. Und jetzt würde ich gern dieses Thema mit dem Fremdgehen vertiefen. Es klingt spannend. Dieses Nicht-Analysieren-Dürfen ist schlimmer als jede Diät.

Der kleine Mann meldet sich: „Du hast überhaupt noch nie eine Diät gemacht.“
Das stimmt so nicht. Mit 16 habe ich, meine ich, mal eine versucht.
„Apropos keine Diät und Rezept. Wenn Du Dir einen Mann backen könntest, wie sähe er aus?“
Ich: „Ich dachte, wir müssen erst den Beziehungstyp finden?“
Mann im Ohr: „Du denkst schon wieder. Spontan, aus dem Bauch raus: was wäre er?“
„Ein Pumpkin Creamcheese Muffin.“ Das kommt wie aus der Pistole geschossen.
Der kleine Mann hakt nach: „Sicher? Kein Brownie?“
Ich darf nicht überlegen, aber ich kann auch so sofort sagen, was mich an Brownies stört. „Ein Brownie ist geil. Irgendwie. Aber er ist mächtig und dunkel, liegt schwer im Magen, macht mir manchmal Bauchschmerzen und – das ist das Wichtigste – ich kann nicht mal einen davon essen. Nach zwei Bissen habe ich die Nase voll.“
Mann im Ohr: „Was ist mit einem Pumpkin Gingerbread Snacking Cake? Den backst Du häufiger und lieber als die Muffins.“

Ich: „Weil´s schnell geht. Ich brauche nicht mal ´nen Mixer. Er ist leicht zu haben, kommt überall gut an, das ist super effizient. Das Ideale für Zwischendurch.“
Mann im Ohr: „Du hast schon mehrere Männer damit rumgekriegt.“
Das stimmt. „Zwei.“
Mann im Ohr: „Zwei Erfolge bei zwei Versuchen, macht eine Trefferquote von 100%.“

Ich: „Vielleicht hätte ich sie auch so rumgekriegt. Einmal könnte es auch Joey´s Apple Cake with Caramel Sauce gewesen sein? Den hab ich damals auch gemacht.“
Mann im Ohr: „Warum wäre Dein Traummann kein Joey´s Cake?“
Ich: „Keine Ahnung. Mein Bauch sagt dazu nichts.“
Der kleine Mann erinnert mich daran, wie gern ich Sandkuchen mag. Es rumort in meinem Bauch. Das ist ein Knurren, hat wohl nichts mit Emotionen zu tun. Gott sei Dank. Dieses Kuchen-Thema liegt mir mehr. „Ich liebe Sandkuchen. Aber ich kann´s nicht. Er wird matschig oder nicht richtig ‘sandig’, auf Dauer wär´s mir auch zu trocken.“
„Was ist denn an den Muffins so toll?“ Ob der kleine Mann mit meiner Wahl nicht einverstanden ist?
„Sie sind leicht, saftig und würzig. Süß, aber auch ein bisschen herb. Sie machen süchtig. Und ein bisschen high.“
Der kleine Mann weiß, woran das liegt. „Weil Du immer mehr Muskat reingibst als angegeben“.
Ich: „Sie schmecken morgens, mittags und abends, nicht nur zur Kaffeezeit. Sie sind vielschichtig. Die herbe Kürbisschicht außen und dann die cremig-milde Creamcheese-Füllung, mit der man nicht rechnet. Sie sind perfekt. Ich könnte sie für den Rest meines Lebens täglich vernaschen.“
Mann im Ohr: „Es macht aber Arbeit, die ständig zu backen.“

Ich: „Aber für den Genuss lohnt es sich. Eine Beziehung ist manchmal auch Arbeit. Es ist eine schöne Arbeit, sie macht Spaß.“
In meinem Kopf fängt es an zu hüpfen. Es fühlt sich komisch an. Pustet der kleine Mann mir ins Ohr? Nein. Er scheint zu kichern. „Du hast die letzte Schicht vergessen. Da ist diese krümelige Schicht als Topping drauf.“ Er kichert immer noch. Was daran so lustig ist? Er prustet unangenehm nah an meinem Trommelfell: „Jeder Muffin ist mit zwei Nüssen garniert.“ 

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