Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Manchmal jedenfalls. In meinem Kopf.

Da ist zum Beispiel die Sache mit Denny. Der in Wirklichkeit natürlich anders heißt. Aber auch einen Namen hat, den ich nicht auf die Top 5 meiner Wahl setzen würde. Ich kenne Denny nicht persönlich. Aber ich habe oft an ihn gedacht.

Ein Freund hat mir von ihm erzählt. Dass er keine Freundin hat und es für ihn auch nicht so einfach ist. Obwohl er sehr gut aussieht, sportlich und total nett ist.
Jetzt fragt man sich, warum es für so jemanden schwierig sein sollte. Und da kam Helgoland ins Spiel. Christian hat mir erzählt, dass Denny regelmäßig auf Helgoland ist und dass da abends eben nichts los sei und alle Frauen, wenn überhaupt vorhanden, verheiratet sind. Und dass Denny Online-Dating strikt ablehnt. Das kann ich gut nachvollziehen und danach mochte ich ihn irgendwie. Ohne ihn zu kennen. Christian hat auch erzählt, dass er jede Woche etwas mit ihm trinken geht. In einer ganz normalen Stadt, in der er wohnt, nicht auf Helgoland.

Aber bei mir ist nur Helgoland und Einsamkeit und gutaussehend hängengeblieben.

Der kleine Mann meldet sich: „Wenn Männer nur verstehen, was sie verstehen wollen, regst Du Dich immer auf.“.
Das stimmt, zum Beispiel wenn der verheiratete Kollege es nach dem dritten Korb immer noch versucht, nur weil ich weiter nett zu ihm bin. Ich kann jemanden nett finden und trotzdem abweisen. Aber bei ihm kommt nur die Nettigkeit an.
Mann im Ohr: „Und wenn es Dir irgendwann reicht, bekommt er ohne Vorwarnung einen Tritt in die Eier.“
Ich: „Aber nur im übertragenen Sinn. Sonst würde ich ja meinen Job riskieren.“
So was kann passieren. Wenn mir die Hutschnur platzt, endet das meist unschön.

Na ja, zurück zu Denny. Ich kenne nicht nur Denny, sondern auch Helgoland nicht. Aber ich habe ihn vor mir gesehen. Einen wahnsinnig schönen, etwas schwermütigen Mann, der einsam an einer Bar sitzt. Sie hatte etwas von ‘Rick´s Café’ in ‘Casablanca’. Das Wetter auf Helgoland ist genauso usselig wie im Film in der Nacht, in der Rick Ilsa allein zum Flieger schickt. Deshalb hängt so ein ‘Friesennerz’ in der Ecke. So nennt man, glaube ich, diese gelben Ölmäntel, die alle da oben tragen. In meiner Vorstellung. Weil das viel romantischer ist als eine Hightech-Outdoor-Jacke. Und weil das Wetter so schlecht ist, geht er nicht nach Hause, sondern sitzt einfach weiter einsam dort, obwohl es schon spät ist. Wäre ich je in diese Bar gekommen, hätte er gesagt „Ich seh Dir in die Augen, Kleines“. Das ist Denny in meiner Welt. Die Vorstellung war wildromantisch.

Und heute bin ich unsanft in der Realität gelandet. Weil er nämlich so einsam gar nicht ist und in einer normalen, nicht mal besonders schönen Stadt wohnt und wahrscheinlich in Bars geht, die nicht annähernd so romantisch sind. Außerdem sitzt er da – hoffentlich – nicht allein.

Der Mann im Ohr gibt mir einen gutgemeinten Rat. Damit hab ich´s nicht so. Ich tendiere dazu, Ratschläge zu ignorieren.
Mann im Ohr : „Beim Verlieben ist das kritisch. Da musst die diese Pippi-Langstrumpf-Marotte unbedingt ablegen.“

Ich: „Völlig unkritisch, weil ich mich grad schwertue mit dem Verlieben.“
Mann im Ohr: „Du könntest aber schon mal üben für den Ernstfall.“

Schaden könnte es nicht, vorbereitet zu sein. In meinem Bauch stimmt jemand zu. Es wird ganz warm. Ich habe mich tatsächlich mal in jemanden verliebt, den es so gar nicht gab. Wir haben uns nicht oft gesehen, weil ca. 9 Flugstunden zwischen uns lagen. Da habe ich mir in der Zwischenzeit schön einen Mann zurechtgebacken in meinem Kopf und dann gemerkt, dass mein Phantasiekuchen ein Pumpkin-Creamcheese-Muffin ist und die Realität ein Brownie. Und die liegen ja bekanntlich schwer im Magen.