Why the hell not?

Ich habe die Tage ein wunderwunderschönes Shirt gesehen. Hellgrau und vermutlich sehr weich. Es sieht so aus, bisher habe ich es nur im Katalog gesehen. Der Ausschnitt ist nicht zu tief, zeigt aber doch ein bisschen Haut. Es ist figurbetont ohne eng zu sein und auf der Vorderseite steht in großen schwarzen Lettern

WHY THE HELL NOT? 

Mein erster Gedanke war ‘witzig für ein erstes Date’. Da kann man gleich testen, ob der gegenüber des Englischen mächtig ist, ob er Humor hat und vielleicht auch, wie es um sein Selbstbewusstsein bestellt ist.

Man könnte ihn natürlich auch gehörig verschrecken. Aber vielleicht suche ich mir ein Date mit jemandem aus, bei dem das nicht so schlimm wäre.

Der kleine Mann räuspert sich. „Sag mal, Du hast doch Deinen Verstand schon zurück.“
Ich: „Ja. Und?“
Mann im Ohr: „Warum solltest Du Dich mit jemandem treffen, bei dem es nicht schlimm wäre, ihn zu verschrecken? Wenn Du Deine Zeit nicht verschwenden willst, dann triffst Du nur noch Männer, die Du nicht verschrecken willst.“
Ich: „Du bist ein Spielverderber. Ich mochte die Idee.“
Mann im Ohr: „Außerdem solltest Du Dich mal fragen, wie es überhaupt zu Dates kommen soll.“
„Wie bitte?“ Das war noch nie mein Problem.
Mann im Ohr: „Ja, aber Du hast Online-Dating ausgeschlossen. Außerdem alle Männer, mit denen Du schon mal was hattest, weil Du da ja schon weißt, dass es nichts taugt.“

Das stimmt. Ex-Partner haben eine komische Angewohnheit. Nicht nur meine, alle.
Fast. Man soll ja nicht alle über einen Kamm scheren.
Ich habe noch nicht mit jeder Freundin darüber gesprochen, aber alle, mit denen ich das Thema erörtert habe, haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie ich.
Die Ex-Männer tauchen immer dann wieder auf, wenn man am wenigsten damit rechnet und es am wenigsten gebrauchen kann.
Sie sprechen einem zum Beispiel angetrunken auf die Mailbox, wie sehr sie einen vermissen. Sie umschreiben das gern anders. Sexueller. Oder schreiben Sms oder Emails oder tauchen plötzlich an Lieblingsplätzen auf, ganz zufällig. Und dann wollen sie einen entweder komplett zurück – das ist die Ausnahme. Oder sie wollen vögeln. Auch das umschreiben sie anders. Sie würden dann gern ‘einen Kaffee trinken gehen’ und ‘einfach mal wieder quatschen’, weil man sich doch eigentlich immer gut verstanden hat.
Früher habe ich das manchmal gemacht. Weil ich das da noch geglaubt habe. Ich habe Ben immer gefragt, ob es ok für ihn ist. War es meistens.

Der Ablauf ist, personenunabhängig, immer derselbe: der Ex fragt nach dem Job, nach der Familie und anderen Themen, die wichtig für einen sind. Um dann ganz langsam auf das Thema Beziehung zu kommen. Er fragt übertrieben beiläufig, ob man denn eigentlich jemanden hat. Beantwortet man das mit ‘nein’, kann er sich ein kurzes, triumphierendes Grinsen nicht verkneifen. Sobald er bemerkt, dass er triumphierend gegrinst hat, wird sein Gesicht sehr ernst und er macht mit tiefgründigen Themen weiter. Soll ja keiner denken, er wolle nur das eine. Sagt man ‘ja’, gibt er sich interessiert: Wer ist er, wie lange geht das schon, macht er einen glücklich, wohnt man schon zusammen oder gibt es Pläne? Und dann findet er irgendwas am Partner, was doch eigentlich gar nicht zu einem passt. Dann kommt ein Satz wie „Ich hätte gar nicht gedacht, dass Du auf so Spießer stehst.“, gern gefolgt von „Du warst doch immer so cool und unkonventionell.“. Was er konkret sagt, ist egal. Er findet einen Kritikpunkt am Partner und verbindet das mit einem Satz, der einem das Gefühl gibt, mit ihm zusammen sei man cooler, interessanter, begehrenswerter gewesen als jetzt. Und dann lädt er einen – tageszeitabhängig – auf einen Kaffee, auf ein Bier, einen Wein ein. Weil er plötzlich der Gentleman ist, der er an unserer Seite nie war. Er weiß in der Situation auch ganz genau, was man immer gern getrunken hat. Er bestellt, noch bevor man selbst etwas sagen kann, zielsicher genau das Richtige. Obwohl er früher immer gesagt hat „Woher soll ich wissen, was Du willst?“. Je nachdem, wie das Treffen gelaufen ist, schlägt er sofort vor, zu sich zu gehen. Oder das zu wiederholen. Oder er zieht sich erst mal zurück und versucht es zwei Monate später noch mal. Vielleicht hat sich unsere Verliebtheit in den Neuen oder unsere Einstellung zur Treue bis dahin ja geändert.

Für so was bin ich nicht mehr naiv genug.

„Wie kamen wir da noch drauf?“ Ich wollte doch über was anderes schreiben.
Mann im Ohr: „Das T-shirt.“
Ich: „Was hat denn das damit zu tun?“
Mann im Ohr: „Das ist ein Problem bei Dir. Deine Gedankengänge sind manchmal geradezu absurd. Da kann kein normaler Mensch folgen.“
Ich: „Ich will auch keinen Normalen. Ich will einen Besonderen.“
Mann im Ohr: „Wir waren bei der Frage, wie es zu einem Date kommen soll.“
Ich: „Ach so. Mmh.“
Mann im Ohr: „Kollegen und verheiratete Männer und Nachbarn hast Du auch ausgeschlossen. Und Männer, die Dich in der Sauna anquatschen.“
Ich: „Hör bloß auf. Da mag ich gar nicht dran denken.“

Das ist eine Baustelle grad. Es gibt in meiner Stammsauna einen ‘Norbert’, der mir heimlich Zettelchen mit unappetitlichen Nachrichten schreibt und auf jedem seine Handynummer hinterlässt. Die Geschäftsführerin hat versprochen, ihm Hausverbot zu erteilen, wenn wir denn rausfinden, wer er überhaupt ist. Ich könnte die Nummer anrufen, aber darauf habe ich keine Lust. Deshalb gehe ich im Moment einfach nicht mehr hin. Aber das kann auf Dauer keine Lösung sein. Er muss gehen, nicht ich.

Ich bräuchte einen großen, starken, wahnsinnig gut aussehenden Mann, der mit mir zusammen hingeht und ganz furchterregend guckt. Aber für die Rolle fällt mir spontan niemand ein.

Ich hab schon wieder meinen Faden verloren. „Wie kamen wir noch da drauf?“
Mann im Ohr: „Deine Ausschlusskriterien. Ich bin nicht sicher, ob da viel übrig bleibt.“
Ich: „Ach was. Ich kenne Männer, die in keine der Kategorien gehören. Und ich könnte jemanden im Supermarkt kennenlernen. Oder an der Tankstelle. Im Museum. Bei einer Autorenlesung. Das gefällt mir, klingt so seriös.“

Ich müsste dazu nur auch mal auf eine Autorenlesung gehen. Das letzte Mal war 2011.

Der kleine Mann mag es nicht, wenn Dinge so unfertig im Raum stehen bleiben. „Was ist jetzt mit dem T-Shirt?“
Ich überlege kurz. „Ich kaufe es. Vielleicht ziehe ich´s zu nem Bewerbungsgespräch an.“
Mann im Ohr: „Oder wenn Du einen Heiratsantrag bekommst. Dann kennt er Dich schon gut genug, um Deinen Humor zu verstehen.“

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