Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll

Ich hatte definitiv zu wenig Zeit zum Schreiben in letzter Zeit. Es ist so viel passiert und nun haben wir schon fast 2017.

Einer meiner Vorsätze ist, wieder regelmäßig zu bloggen im nächsten Jahr. Allerdings muss ich genau überlegen, womit ich anfange. Eigentlich wollte ich über den komischen Typen schreiben, der mich an Weihnachten in der Sauna angesprochen hat. Aber witzig ist das nur, wenn man die Geschichte mit Norbert kennt.

„Seit Ben nicht mehr da ist, klettert Henry kaum noch.“ Das ist eine Reklamation meiner Schwester. Die Sache mit Norbert müssen wir wohl vertagen. Henry also. Henry ist ein Stoffpferd mit magnetischen Hufen, das bei meiner Mutter am Kamin hängt.
Sophie: „Was schreibst Du da?“
Ich: „Dass Henry ein Stoffpferd mit magnetischen Hufen ist und hier am Kamin hängt. Die Leute halten uns doch für bescheuert.“
Sophie: „Wenn sie Humor haben nicht.“

Ben ist jetzt schon seit fast sieben Jahren ‘nicht mehr da’. Es wird Zeit, dass jemand anders…

„Seinen Platz einnimmt?“ Der kleine Mann klingt ein bisschen schockiert. Das liegt wohl weniger an seiner Sympathie für Ben als an der Tatsache, dass er nie einen anderen Mann kennengelernt hat. Jedenfalls nicht so wirklich.
Ich: „Ihn ersetzen kann niemand. Und man soll Männer nicht vergleichen. Aber er soll nicht für alles die Benchmark sein. Langsam kann ich es nicht mehr hören.“
Ich höre es kichern.
Ich: „Das war kein Witz.“

Aus dem Kichern wird ein Glucksen und ich spüre, wie etwas Leichtes in meinem Kopf herumkugelt. Als es wieder still ist, höre ich eine Stimme. Sie klingt, als würde sie ein Lachen nur mit Mühe unterdrücken.

Mann im Ohr: „Ja wer soll es denn sonst sein?“
Ich: „Ich kann Dir nicht folgen.“

In Gedanken war ich schon wieder bei der Geschichte mit Norbert. Gleichzeitig beschwert sich Sophie darüber, dass ich am Sylvesterabend blogge. Und sie hat recht. Ich hab mir eben in den Kopf gesetzt, in diesem Jahr wenigstens noch einen kurzen Post zu verfassen.

Mann im Ohr: „Wer soll denn sonst die BENchmark sein?“ 

Warum küssen so wichtig ist…

…habe ich heute morgen in der ‘GEOkompakt’ gelesen. Wenn mein Verstand eingeschaltet ist, tendiere ich dazu, auch romantische Themen von der weniger romantischen Seite zu betrachten.

Ich höre ein mahnendes „Schreib so was nicht. Das wirkt nicht sympathisch.“.
Ich: „Seit wann bist Du Marketing-Experte?“
Mann im Ohr: „Du bist gemein. Ich wollte doch nur…“
Ich: „…dass ich nicht so rüberkomme, wie ich bin?“

Es grummelt ein bisschen, dann höre ich ein Rascheln. Der kleine Mann legt sich wieder hin. Ich glaube, er fühlt sich vernachlässigt, weil ich in letzter Zeit so selten Zeit für ausführliche Gespräche habe.

Jedenfalls gibt es in der ‘GEOkompakt’ einen Artikel von Ute Eberle: Die Kunst des Kennenlernens. Und da steht ‘Im Moment des ersten Kusses entscheidet sich oft, ob aus der erotischen Anziehung zwischen zwei Individuen mehr entsteht als ein Flirt. Das Spiel der Lippen und Zungen verrät, wie rabiat oder zärtlich der andere ist – und der Speichel eines Menschen enthält eine Vielzahl aufschlussreicher Botenstoffe.’.

Das glaube ich sofort. Peter stand auf ganz merkwürdige Sachen. Das hat er mir nach dem in die Hose gegangenen Kuss erzählt. Jedenfalls war sein Kuss für mich zu forsch, zu nass, zu…alles. Allerdings wusste ich das noch nicht in dem Moment, in dem sich unsere Lippen berührt haben. Da fühlte sich noch alles gut an. Das habe ich schon anders erlebt.

Ganz schlimm sind die Küsse, bei denen man schon in dem Moment weiß, dass man nicht weiterzumachen braucht. Ich erinnere mich an einen Kuss, bei dem die Lippen so feucht waren, dass ich mich ‘abgeleckt’ fühlte, obwohl die Zunge noch gar nicht im Spiel war. Grrr! Eigentlich hatte ich gedacht, man sieht so was vorher. Wenn die Lippen schon im Normalzustand immer feucht glänzen, lasse ich mich gar nicht erst küssen. Aber seine sahen ganz normal aus. Vielleicht ein bisschen schmal. Meine instinktive Reaktion wäre gewesen, mir angewidert den Mund abzuwischen, aber dazu bin ich zu gut erzogen.

„Warum erzählst Du nur von den schlimmen Küssen?“ murmelt es in meinem Kopf.

Berechtigte Frage. Es gab auch tolle Küsse. Küsse, die mich auf Wolke 7 befördert haben. Gänsehaut beschert haben. Oder beides. Bei denen ich gar nicht mehr aufhören wollte, weil es so gekribbelt hat im Bauch.

„Das ist toll. Dann geht hier oben ein Feuerwerk los, das ist fast wie Silvester.“

Das klingt fast ehrfurchtsvoll. Ich nehme mir vor, ihm solche Momente häufiger zu bescheren. Da haben wir dann beide was von.

„Wie sind denn die guten Küsse? Wie fühlt sich das für Dich an? Ist dann bei Dir auch Feuerwerk?“ Der kleine Mann klingt wach und neugierig.

Bei einem Feuerwerks-Kuss berühren sich erst mal nur die Lippen. Und man genießt den Moment. Der andere hält einen irgendwie und dann tastet man sich langsam aneinander ran. Ich will das Gefühl haben, dass der andere mich entdecken will, nicht unterjochen. Ein Kuss ist kein Machtspiel, bei dem man sich beweist, wer die längere Zunge hat. Er sollte eine spielerische Komponente haben und unbedingt ein Wechselspiel sein.

Mann im Ohr: „Wechselspiel?“
Ich: „Na ja, man macht ja irgendwann einen Vorstoß. Aber dann braucht man diese Momente, wo man innehält und das nachwirken lässt und genießt, statt immer fordernder zu werden.“
Mann im Ohr: „Und was heißt ‘spielerisch’ beim Küssen?“
Ich: „Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.“
Ich überlege eine Weile und frage dann:Weißt Du, wie eine Sinuskurve aussieht?“
Mann im Ohr: „Ist das die, die unten anfängt? Und Kosinus die, die bei 1 startet?“
Ich: „Gut behalten, kleiner Mann!“
Mann im Ohr: „Was hat eine Sinuskurve mit Küssen zu tun?“
Ich: „Eine Sinuskurve veranschaulicht ganz gut das Wechselspiel, das ich meine. Trotzdem sollte ein Kuss so nicht sein. Dann wäre alles an ihm vorhersehbar und langweilig. Wenn ich einen idealen Kuss visualisieren müsste, wäre er einer Sinuskurve ähnlich. Aber die Kurve würde mit zunehmender Zeit steiler und sie hätte unerwartete Ausschläge an der einen oder anderen Stelle. Das wäre das Spielerische daran. Man neckt den anderen mit unerwartetem Vorstoß oder Rückzug – erst dadurch wird es interessant.“
Mann im Ohr: „Und das macht das Feuerwerk hier oben?“

Jedenfalls vermute ich das. Wahrscheinlich ist das bei jedem anders. Für mich sind diese Küsse perfekt. Wenn ich das in der GEO richtig verstanden habe, küssen die Männer, die genetisch zu mir passen, genau so. Das hat die Natur prima eingerichtet. Es ist also gar nicht so schwierig, den Richtigen zu finden. Man braucht keine komischen Algorithmen und keine Angaben bezüglich Alter, Beruf und Einkommen. Man muss ihn einfach nur küssen und ihn behalten, wenn es sich gut anfühlt.