Wer bin ich?

Das ist der Titel des Buchs, das ich gerade lese. Der Untertitel lautet: 777 indiskrete Fragen.

Es ist voller Fragen. Sonst nichts. Ich habe es 2007 geschenkt bekommen und immer dekorativ neben dem Bett oder dem Sofa hingelegt. Nur gelesen habe ich nie darin.

Die heutige Frage lautet:

Was würden Sie für dauerhaft guten Sex eintauschen?
a) Ihre Karriere.
b) Ihr Aussehen.
c) Ihren Ehepartner.
d) Die letzten zehn Jahre Ihres Lebens.
e) 10 Punkte Ihres Intelligenzquotienten.

Meine spontane Antwort, aus dem Bauch heraus, war e).

Das, dachte ich, würde gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn erstens habe ich ja diverse Artikel gelesen und verlinkt, wonach weniger intelligente Frauen es deutlich leichter haben bei Männern. Und zweitens sollen weniger Intelligente weniger grübeln und tendenziell glücklicher sein. Wenn ich also weniger nachdenken würde und dauerhaft guten Sex hätte, müsste ich platzen vor Glück, oder? Mit ‘dauerhaft gutem Sex’ wäre aber natürlich noch nicht gesagt, dass ich auch den idealen Partner hätte. Vielleicht wäre der dumm wie Brot und einfach nur gut im Bett? Mir würde das natürlich weniger auffallen, wenn ich selbst dümmer wäre. Es sei denn, er wäre noch viel dümmer als ich mit meinem IQ -10.

Dann habe ich über die Antwortoptionen nachgedacht.

b) schließe ich sicher aus. Ich mag mein Aussehen. Und auch der beste Sex der Welt würde nicht helfen, wenn ich morgens beim Blick in den Spiegel einen Schreck bekäme. Irgendwann werde ich Falten haben und graue Haare, aber die sollen sich in mein vertrautes Gesicht einfügen. Sie sollen mich an zu viele schmutzige Lacher und vor Liebeskummer durchweinte Nächte erinnern. Aber das bitte in meinem Gesicht, rund um meine graublauen Augen.

c) fällt mangels Ehepartner raus.

Bleibt unter anderem a). Karriere ist für mich etwas übertrieben. Ich glaube, dazu stehe ich nicht weit genug oben auf der Leiter. Und verdiene nicht genug. Aber ich unterstelle hier einfach mal, dass mein Beruf gemeint wäre. Ein Beruf, den ich liebe. Denn wie sollte ich erfolgreich sein in etwas, das mir keinen Spaß macht? Wenn ich nun darüber nachdenke, wie viel Zeit ich voraussichtlich durchschnittlich für den Rest meines Lebens mit meinem Beruf und wie viel Zeit ich mit dem dann eintretenden großartigen Sex verbringen würde, fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Was sollte ich denn bitteschön den ganzen lieben langen Tag machen, während ich auf den guten Sex warte? Irgendwann hätte ich alle meine Bücher gelesen, alles aufgeräumt und geputzt und alle Blumen umgetopft. Und dann? Würde ich mich langweilen, bis Mister Lover Lover nach Hause kommt.

Bleibt neben e) nur noch d). Die letzten zehn Jahre meines Lebens. Dummerweise kann ich den Autor, Rolf Dobelli, nicht fragen, wie er das genau gemeint hat. Wäre ich dann 10 Jahre jünger? Und würde die letzten 10 Jahre erneut durchleben? Hätte ich dann die Chance, Dinge zu ändern, einen anderen Weg einzuschlagen? Oder wären die letzten 10 Jahre ausradiert und ich wäre trotzdem 36 Jahre alt?
Letzteres wäre schade. Ich hätte meinen Uniabschluss mit Ball verpasst, die Olympischen Winterspiele in Vancouver, ich wäre nie in Oregon und auf Hawaii gewesen und hätte viele nette Leute nicht kennengelernt.
Und wieder 26 sein? Ich hätte meine mündliche Prüfung des ersten Staatsexamens noch vor mir. Risikolos, durchfallen könnte ich nicht mehr. Aber durch das komplette zweite Examen müsste ich mich noch mal durchquälen. Ich hätte die Chance, Ben nicht zu heiraten. Oder ihn noch mal zu heiraten und ihn nicht zu verlassen. Ich könnte noch Kinder bekommen. Ich könnte alles richtig machen. Aber würde ich das? Würde ich ohne die Lebenserfahrung von heute und ohne mein Wissen nicht die selben Dinge wieder tun?

e) wäre wohl die beste Wahl. Da ‘nichts’ in diesem Fall keine zulässige Option ist.

„Siehst Du. Dein Bauch lenkt Dich schon ganz richtig.“, meldet sich eine leise Stimme.

Früher war es wirklich nicht besser

Gestern war ich auf einer Geburtstagsfeier. Geburtstagskind war meine Freundin Inka. Wir kennen uns schon eine Ewigkeit, nämlich seit dem ersten Tag in der 5. Klasse. Das Schicksal hat es netterweise so gefügt, dass sie nun schon eine halbe Ewigkeit mit einem Freund von mir zusammen ist, mit dem ich studiert habe.

Mit ihm und einigen anderen hatten wir zu Studienzeiten eine ‘Mittagsrunde’.
DIE Mittagsrunde. Wir waren legendär.

„Das glaubt nur ihr.“ murmelt es.
Ich: „Das haben alle gesagt damals. Alle.“
Der kleine Mann schweigt. Ich werte das als Zustimmung.
Mann im Ohr: „Schweigen ist rechtliches Nullum.“

Es gab eine Stammrunde und wechselnde Gäste. In keiner anderen Mittagsrunde wurde so viel gelacht und so viel über schmutzige Themen geredet. Und, was wirklich toll war, alle unsere Anhänge, also Partner, waren irgendwie mit der Runde kompatibel. Zwar waren die teilweise aus anderen Fachrichtungen oder wohnten nicht vor Ort. Aber man konnte die Runde abends und an den Wochenenden quasi in beliebiger Kombination zusammenstellen, Spaß war garantiert. Wir haben wunderbar diskutiert. Über alles. Juristische Grundsatzfragen gehörten ebenso auf die Agenda wie gesellschaftspolitische Themen. Dass fun factory die besten Vibratoren baut war genauso wichtig wie die Doku über Analsex im WDR, die eine von uns gesehen hatte. Wir waren ein Haufen sexuell aufgeschlossener Intellektueller.

„Ihr habt über Hausfrauenthemen geredet. Wie man Zwiebelkuchen macht. Und Katrin hat selbst Toastbrot gebacken.“
„Sehr gutes. Ich erinnere mich.“
Der kleine Mann schweigt.
„Ich sag ja, kein Thema kam zu kurz. Wir waren genial.“
Der kleine Mann schweigt immer noch.

Jedenfalls war Inkas Geburtstagsfeier in mehrfacher Hinsicht ein Traum. Erstens gab es tolles Essen und rosa Sekt, von dem ich gern noch viel mehr getrunken hätte. Und zweitens bringt Inka genau die richtige Kombi an Leuten für mich zusammen. Es sind alte Schulfreundinnen und Kommilitonen. Leute, die ursprünglich mal nichts miteinander zu tun hatten, aber irgendwie wunderbar zusammenpassen. Ich habe alle Leute gesehen, bei denen ich mich viel zu selten melde und die ich gern viel öfter sehen würde.

„Hier oben war wirklich gute Stimmung, das muss ich zugeben. Es war fast so entspannt wie wenn Du…“
So hat es sich auch angefühlt.
„Ich lache viel mehr in so einer Runde. Es ist die Kombi aus ernsten Gesprächen und furztrockenen Anmerkungen, die unter die Gürtellinie zielen. Es ist manchmal schmutzig, aber nie niveaulos.“
„Ihr habt Euch überhaupt nicht verändert.“

Das stimmt tatsächlich mehr oder weniger. Wir sehen alle fast so aus wie früher. Wir sind erfahrener, aber noch sieht man es uns nicht an. Wir haben alle die gleiche Haarlänge und -farbe wie damals, keiner von uns hat wesentlich zu- oder abgenommen, wir haben quasi keine Schönheitsoperationen hinter uns. Also ich eine. Aber sonst keiner.

„Trotzdem wurde gestern gesagt, dass Du mit inneren Werten punkten musst.“ Es kichert in meinem Ohr.

Wir reden immer noch mehr oder weniger über die gleichen Themen. Und natürlich gehört da auch das Für und Wider von Dingen wie Lippen aufspritzen und Brust-OPs dazu. Bisher haben meine inneren Werte Gott sei Dank ausgereicht, Männer auch ohne solche Maßnahmen zu überzeugen. Ich höre erneutes Kichern.

Ich bin ein Wüterich

Das hat mir neulich jemand gesagt.

„Recht hat er.“, murmelt es.
Ich muss dem kleinen Mann insgeheim zustimmen.
Trotzdem frage ich: „Warum hast Du mir das nie gesagt?“
Mann im Ohr: „Ich kannte das Wort nicht.“
Ich: „Es klingt ein bisschen nach Rumpelstilzchen. Nach jemandem, der mit dem Fuß aufstampft und rot wird vor Wut.“
Mann im Ohr: „Deswegen passt es ja so gut.“

Mir bleibt ganz kurz die Luft weg und ich werde rot. Einatmen. Ausatmen. Nicht aufstampfen.

Ich habe eben gelernt, mich zu streiten. Als ich noch als Juristin gearbeitet habe, war ich privat geradezu harmoniesüchtig. Den ganzen Tag beruflich zu diskutieren hat mir gereicht. Wenn ich abends nach Hause kam, wollte ich Harmonie. Sonst nichts.

Seit ich meinen jetzigen Job habe, darf ich nicht mehr streiten. Bei uns wird Feedback-Kultur großgeschrieben. Wichtigste Regel dabei: auf keinen Fall ehrlich sein. Es muss vorher weichgespült werden. Richtig und falsch gibt es nicht. Pro und Contra auch nicht. Positiv und ‘Delta’ darf man sagen. Die positiven Punkte sollten die negativen unbedingt überwiegen.

Mann im Ohr: „Und wenn es mal keine positiven Punkte gibt?“
Ich: „Dann denkt man sich welche aus.“

‘Sandwich-Technik’ ist das Zauberwort.

Mann im Ohr: „Ist Sandwich nicht das, wo die Frau in der Mitte zwischen zwei Männern…?“
Ich: „Das ist ein Teekesselchen.“
Mann im Ohr: „Einen Dreier nennt man Teekesselchen?“
Ich: „Nein.“
Mann im Ohr: „Was ist dann dieses Teedings?“
Ich: „Das ist nicht so wichtig. So nennt man etwas mit mehreren Bedeutungen.“

Zurück zum Thema. Was ich als argumentationsfreudig bezeichnen würde, finden manche meiner Kollegen streitlustig, andere rechthaberisch. Deswegen halte ich mich – für meine Verhältnisse – extrem zurück. Das bemerkt allerdings niemand, weil meine Kollegen keinen Vorher-Nachher-Vergleich hatten.

Ich sehne mich nach den Zeiten, in denen ich mich mit Pepe ‘gestritten’ habe. Pepe ist der einzige richtige Name hier. Da es ein Spitzname ist, der mit seinem richtigen Namen zumindest augenscheinlich nichts zu tun hat, geht das hoffentlich in Ordnung. Pepe war so unbarmherzig wie witzig und so klug wie entspannt. Er hat in meinen Aktenvorträgen nicht nur auf den Inhalt geachtet, sondern auch die überflüssigen Füllworte gezählt. Für jedes ‘äh’, ‘halt’ oder ‘eben’ gab es einen Strich und die Striche hatten gefälligst von Vortrag zu Vortrag weniger zu werden. Bei gleichbleibendem inhaltlichen Niveau. Nachdem er mich so richtig in die Zange genommen hatte, haben wir über Gott und die Welt geredet oder sind ein Bier oder einen Kaffee trinken gegangen. Meist mit anderen streitlustigen Kommilitonen.

Mir fehlt dieses sich erst zu Tode argumentieren und dann entspannt plaudern. Eine gewonnene Argumentation mit einem starken Gegner hebt meine Laune wie sonst kaum etwas. Ja, Gegner. Ich rede auch gern von Parteien. Ich liebe Wortgefechte. Ich brauche sie zum glücklich sein. Früher war mir nicht klar, dass so etwas nur mit einem bestimmten Typ Mensch geht. Viele nehmen einem leidenschaftlich vorgetragene Gegenargumente persönlich krumm.

Und irgendwie hat es sich eingeschlichen, dass ich, was ich mir beruflich verkneife, privat austrage. Das wiederum bekommt mir nicht. Denn privat kann man so schlecht den Schalter wieder auf ‘friedlich’ umlegen. Ein Ex-Freund hat mal gesagt, ich klänge immer, als sei ich im Gerichtssaal. Aber das zwischen uns sei kein Prozess und wir keine Gegner. Er hatte so recht damit.

Aber: Ich liebe Menschen, die Positionen vertreten. Selbst wenn ich die noch so absurd finde. Die den Mut haben, dagegenzuhalten. Mit Argumenten, nicht aus Prinzip. Die mich immer wieder in Frage stellen. Die Standhaftigkeit beweisen gegenüber ihren ‘Gegnern’. Die mich herausfordern.

Suche ich insgeheim einen ‘Gegner’ und keinen Partner? Kann ein Partner beides sein? Muss er für mich beides sein, damit ich glücklich sein kann?

Es ist nicht leicht…

… alles richtig zu machen am Neujahrstag.

Man darf die guten Vorsätze nicht gleich wieder brechen. Die noch halbvolle Champagnerflasche vom Vorabend leeren? Besser nicht. Den müden Po vom Sofa nach draußen bewegen? Besser ist das. Danach noch auf die Yogamatte? Besser doch. Sonst fühlt man sich gleich wieder schlecht.

Nun bin ich dieses Jahr zum ersten Mal seit Ewigkeiten in einer solchen Situation. Denn in der Vergangenheit hatte ich üblicherweise keine Vorsätze. Weder gute noch sonst irgendwelche. Geraucht habe ich nie. Regelmäßig Sport gemacht ‘schon immer’. Mich gesund ernährt auch bis auf sehr wenige Ausnahmen. Zu dick war ich zuletzt vor 18 Jahren. Einen Freund oder etwas in der Art hatte ich über den Jahreswechsel auch immer. Und im Job lief es zumindest nie so schlecht, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen hätte, deswegen irgendwelche Vorsätze zu fassen.

Dieses Jahr ist anders. Ich habe meine Yogapraxis zu lange vernachlässigt. So sehr, dass ich es deutlich spüre. Ein Zwicken hier und ein bisschen weniger beweglich dort. Ich klettere wieder häufig. Dabei baue ich Muskeln auf und manche Sehnen verkürzen sich, wenn man nicht konsequent mit Yoga oder ähnlichem entgegenwirkt. Ich kann zum Beispiel meine Beine nicht mehr so weit grätschen wie früher.

„Dazu besteht ja auch keine Notwendigkeit.“ kichert es leise.

Der kleine Mann hätte sich ruhig vornehmen können, etwas netter zu sein im neuen Jahr. Aber ich habe mich ja nicht in seine Vorsätze einzumischen. Ich atme tief ein und aus.

Ich habe mich im letzten Jahr auch nicht so konsequent gesund ernährt wie früher. Das führt bei mir zwar nicht zu Gewichtszunahme, aber doch zu einem gewissen Unwohlsein und dem Gefühl, weniger fit zu sein. Und, das ist für mich weniger schlimm als für meine Mitmenschen, zu schlechter Laune. Wenn ich nichts oder nichts ‘Gutes’ zu essen bekomme, werde ich unausstehlich. Da bin ich picky.

„David hat den Kern Deiner Persönlichkeit beim ersten Date erkannt. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.“ meldet sich jemand zu Wort.

Gott sei Dank ist er nicht der erste und nicht der einzige, der meine Persönlichkeit erkannt hat. Das Erkennen ist nicht so schwierig. Mich hinterher noch zu mögen, das ist die Kunst.

Mein neuer Kletterpartner Daniel hat sich bei unserem letzten Treffen ‘beschwert’. Vielleicht ist das nicht ganz der richtige Ausdruck. Aber es stört ihn, dass ich so rational bin. Vielleicht ist auch stören nicht ganz richtig. Er hält es für falsch oder ungesund oder so. Ich würde nie eine Antwort spontan ‘aus dem Bauch heraus’ geben. Ich sollte mal nicht anfangen zu denken, bevor ich antworte. Das fand ich merkwürdig, denn gleichzeitig werfen mir andere Leute zu große Emotionalität und die Unfähigkeit, meine Emotionen zu verbergen, vor. Daniel findet, ich sei schon emotional und würde versuchen, das mit Ratio zu kaschieren. Jedenfalls habe ich einen kleinen Ausraster bekommen und ihm gesagt, ich sei nun mal, wie ich sei und würde mir von ihm sicher nicht sagen lassen, dass ich irgendetwas an mir ändern müsse. Die Szene hätte auf Außenstehende vermutlich wie eine Beziehungskrise gewirkt.
Es hat mal jemand zu mir gesagt, mit ‘Fremden’ könne man sich nicht streiten. Eine starke emotionale Bindung sei Voraussetzung für eine Auseinandersetzung. Das trifft bei mir nicht zu. Streiten kann ich mich immer und überall. Aber dazu komme ich noch in einem anderen Post.

Weniger zu streiten ist jedenfalls einer meiner Vorsätze für 2017. Neben Yoga und Klettern (in ausgewogenem Verhältnis) und Bilder rahmen lassen und mehr kulturelle Dinge unternehmen wie Museumsbesuchen und Urlaub machen und einigen anderen Dingen.

An Neujahr muss man neben der unbedingten Einhaltung der Vorsätze auch schwierige Entscheidungen treffen.
Zum Beispiel die, ob man ‘Polizeiruf 110’ oder ‘Traumschiff’ guckt. Oder vielleicht doch ‘Frühstück bei Tiffany’, weil man diesen Klassiker noch nie gesehen hat und – wenn man ehrlich ist – überhaupt noch nie einen Film mit Audrey Hepburn gesehen hat. Obwohl die doch eine Stilikone ist, die man geglaubt hatte zu verehren. Dann geht einem durch den Kopf, dass man nicht mal weiß, wofür man diese Frau überhaupt verehren könnte, weil man nichts über sie weiß, außer, dass sie immer sehr stilvoll gekleidet war.

Wenn ich ehrlich bin, interessiert mich weder ‘Frühstück bei Tiffany’ noch ‘Traumschiff’. Letzteres ziehe ich überhaupt nur in Erwägung, weil sentimentale Erinnerungen daran hängen und es kurzfristig gegen Fernweh hilft. Als ich klein war, zu klein für Krimis, durfte ich an Neujahr mit gucken, wenn ‘Traumschiff’ lief. Und das läuft bekanntlich jedes Jahr. Ich durfte bis 21:45 Uhr aufbleiben, obwohl ich ja schon in der Nacht davor bis nach Mitternacht auf war. Und damals, als ich eigentlich noch um acht ins Bett musste, war die Handlung aufregend. Da gab es immer irgendwelche Liebespaare, die erst noch zueinander finden mussten, Intrigen und Missverständnisse. Und als Kind habe noch nicht in Minute zwei gecheckt, wer mit wem und wie das Ganze am Ende ausgeht.

Heute werde ich mich der Mehrheit anschließen. Wenn es nicht ‘Frühstück bei Tiffany’ ist. Und nicht ‘Traumschiff’. Mal ehrlich, das hält doch kein Mensch aus. Langeweile erträgt man nicht deswegen besser, weil ein paar Traumstrände und Palmen zu sehen sind.
Ich höre eine missbilligende Stimme:

„Mehr Kompromissbereitschaft steht nicht auf Deiner Liste für 2017, oder?“