Momentan dominieren zwei Männer mein Leben. Der kleine Mann. Und Donald Trump. Der Punkt zwischen den beiden Sätzen, die keine Sätze sind, ist unsinnig. Eigentlich. Aber ich bringe es nicht über mich, den kleinen Mann und Trump in einem Satz zu nennen.
„Es wäre toll, wenn mal ein Mann, der größer ist als ich, Dein Leben dominieren würde.“, murmelt es.
Ich: „Donald ist viel größer als Du.“
Mann im Ohr: „Ich war noch nicht fertig. Größer als ich und einen besseren Charakter als Donald. Denk nur daran, was Deine Oma gesagt hat. Du musst zu ihm aufschauen können, in jeder Hinsicht.“
Ich bin froh, dass wir wieder solche Gespräche führen können. Der kleine Mann war nämlich ausgezogen. Aus meinem Kopf in meine Hosentasche. Weil ich so einen schlimmen Husten hatte, dass er nicht schlafen konnte und wir beide Angst hatten, er würde sich ein Schleudertrauma zuziehen, wenn er noch länger diesen Erschütterungen ausgesetzt ist. Das hatte zur Folge, dass er nicht mitbekommen hat, was ich denke und wir quasi nicht mehr miteinander geredet haben.
Inzwischen wohnt er wieder in seinem kleinen Zimmer unterm Dach und gibt mehr oder weniger sinnvolle Kommentare zu meinem Leben ab, in dem sich gerade außer Massagen, Physiotherapie und Yoga nicht viel abspielt.
„Yoga? Ihr habt nur geatmet!“
Ich war diese Woche zum ersten Mal wieder beim Yoga. In dem ‘sanften’ Kurs, der kürzer dauert und in dem nur Menschen über 50 sind. Und ich. Und ich war die einzige, die nach dem Übungen kaum noch Luft bekommen hat. Dafür sah ich dabei von allen am besten aus.
„Nur, dass Dein Aussehen da keinen interessiert.“
Zurück zu Trump. Ich habe vor einigen Tagen gehört, dass er Finasterid nimmt. Und da habe ich plötzlich verstanden, warum Melania es mit ihm aushält.
Ich: „Heißt die so? Seine Frau? Oder ist Melania die Tochter?“
Mann im Ohr: „Die Tochter ist Ivanka.“
Ich erwähnte schon mal mein Problem mit Namen? Jedenfalls kann ich seine Frau jetzt besser verstehen. Und auch, warum er ein Pussygrabber ist.
Ich hatte mal einen Freund. Jan. Er hat viele Vorzüge. Oberflächlich betrachtet. Er sieht gut aus, küsst gut, hat erlesenen Geschmack und eine hammermäßig eingerichtete Wohnung mit Blick auf den Kölner Dom. Er hat einen Fernseher, so einen gebogenen, der mich schwer beeindruckt hat, obwohl ich immer dachte, Fernseher seien mir völlig schnuppe. Er ist immer gut angezogen. Und zwar nicht gut spießig, sondern gut lässig. Immer stilvoll, immer hochwertig, immer diesen Hauch besser als alle anderen, so dass er auffällt. Aber nie so, dass es gewollt aussieht.
Es schnaubt in meinem Ohr: „Es war so was von gewollt.“
Ich: „Natürlich war es das. Aber es wirkte nicht so. Und das, kleiner Mann, ist doch die ganz hohe Kunst.“
Sein größter Vorzug war seine süße kleine Tochter. Aber ich schweife ab.
Jan ist Anfang 40, legt aber viel Wert darauf, dass er jünger aussieht und lügt, nicht nur was das betrifft, großzügig. Und Jan nahm – und nimmt wahrscheinlich immer noch – Finasterid. Damit ihm seine noch vorhandene Haarpracht nicht abhanden kommt. Um junge, attraktive Frauen zu beeindrucken. Denn abgesehen von mir hatte er eigentlich immer Frauen Anfang oder Mitte 20. Und die neigen dazu, einen Anfang Vierzigjährigen für alt zu halten, es sei denn, er hat noch volles Haar und behauptet, 33 zu sein. Ich habe keine Ahnung, wie Jan aussähe, würde er Finasterid nicht nehmen. Aber so mit dem Zeug sind seine Haare toll. Er hat sich darüber aufgeregt, dass junge Frauen versuchen, sich ihn als Sugardaddy zu krallen. Bis dahin wusste ich nicht wirklich, was das ist. Na ja, jedenfalls hat es mich nach ein bisschen Recherche nicht wirklich erstaunt. Wer in einer solchen Wohnung wohnt und beim ersten Date demonstrativ seinen Porsche-Schlüssel auf den Tisch legt, muss sich nicht wundern, wenn er Frauen anzieht, die hinter Geld her sind. Und wenn eine Frau dann noch feststellt, dass er dieses finasteridbedingte kleine Problem hat, was soll sie sonst von ihm wollen?
Als Frau sagt sich das so leicht. Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Haaren und Potenz, wüsste ich auch nicht recht weiter. Eigentlich müsste man erst Finasterid nehmen, sich dann eine sehr tolle Frau angeln, mit Charakter überzeugen und es dann, aber wirklich erst dann, wieder absetzen. Dann würde die Frau wohl über schütteres Haar hinwegsehen.
Als es das erste Mal passiert ist, war mir das relativ egal. Ich dachte, vielleicht ist er nervös oder überarbeitet oder müde. Beim zweiten Mal war das schon anders. Nicht, weil es schon das zweite Mal war, sondern wegen dieses Satzes, der folgte: „Es liegt nicht an Dir.“
Bis zu diesem Moment hatte ich nicht in Erwägung gezogen, es könne mit mir zu tun haben. Aber so ein Satz bringt eine Frau zum Nachdenken. Das ist, als würde einem einer sagen: „Keine Sorge, Du bist nicht zu dick.“
Mir lag ein „Natürlich nicht, ist vor Dir auch noch keinem passiert.“ auf der Zunge. Aber dafür bin ich zu nett. Oder zu feige. Oder zu sensibel.
Ich höre ein dezentes Kichern.
Jedenfalls sehe ich Melania und Donald jetzt in anderem Licht.
„In besserem?“
Gute Frage. „Du hast mir gefehlt, kleiner Mann.“
Ich dachte bisher, Melania würde ihren schönen Körper hergeben für einen wie ihn. Aber wahrscheinlich ist das gar nicht nötig. Und ich verstehe Donald besser. Wenn man mit einer Pussy nichts anderes mehr anstellen kann, Pussygrabbin also alles ist, was einem noch bleibt, dann ist es zwar immer noch schlimm. Aber mein Blick auf dieses zweifellos ungehörige Verhalten wird doch ein wenig milder.