Will ich einen Korinthenkacker?

Mein Physiotherapeut hat mich zum Nachdenken gebracht. Und dabei ging es nicht um meinen Rücken oder ähnliches. Sondern um die Liebe.

Er hat von seiner Freundin erzählt. Und davon, wie ihre Beziehung so ist. Er ist glücklich mit ihr und die beiden sind auf der Suche nach einem Haus. Er beschrieb seine Freundin als ‘Korinthenkackerin’ und sich selbst als ‘charismatischen Visionär’. Er findet, dass sie sich super ergänzen. Er hat tolle Visionen und sie checkt sie ganz nüchtern auf ihre Realitätstauglichkeit. Dadurch muss er sich keine Sorgen machen, auf die Nase zu fallen. Sie bewahrt ihn davor. Als Dank wird sie als Korinthenkackerin bezeichnet. Nice.

Der Dialog hat mich deshalb so bewegt, weil ich in meiner Beziehung mit Ben auch die Korithenkackerin war. Er war der charming boy und ich die Spielverderberin. Er der good cop, ich der bad cop. Das hat mich unfassbar genervt und ich wollte nie wieder in so einer Rolle sein.

Jetzt frage ich mich: was ist, wenn keiner von beiden der Korinthenkacker ist? Läuft man als Paar dann nicht Gefahr, unverhältnismäßig hohe Risiken einzugehen? Sich zum Beispiel mit einem Haus zu belasten, das man sich eigentlich nicht leisten kann? Oder mit einem, bei dem man Baumängel übersehen hat, deren Behebung einen in den Ruin treibt?

„Es ist schon sinnvoll, wenn einer diese Rolle hat.“ murmelt es von meiner Ohrmuschel.

Wenn also sinnvollerweise einer von beiden derjenige ist, dann bleibt einem nur die Wahl, selbst der Spielverderber zu sein oder mit einem zusammen zu sein.

Und das stelle ich mir ehrlich gesagt ziemlich blöd vor. Ich will keinen, der mir meine Träume mit nerviger Realität vermiest. Und wenn mich jemand fragt, wie mein Partner so ist, möchte ich nicht sagen müssen, dass er etwas von einem Korinthenkacker hat.

„Zwei Korinthenkacker in einer Beziehung wären auch etwas viel des Guten.“ 

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