Warum ist das so?

Dass wir an die bösen Typen so viel mehr Gedanken verschwenden als an die guten?

Ich komme auf das Thema, weil ich an Donald so viel öfter denke als an Barack. Der hat meine Gedanken alle paar Wochen mal beschäftigt. Wenn sein Name in den Nachrichten auftauchte, habe ich das so nebenher irgendwie wahrgenommen. Und ihn sonst nicht weiter beachtet. Obwohl ich ihn für gutaussehend und unglaublich intelligent halte.

Müsste ich mir einen Mann backen – Obama wäre was Größe, Figur, Intellekt und Charakter angeht ziemlich nah an meinem Ideal. Gut, das mit dem Charakter ist ein Stück weit spekulativ. Trotzdem. Er bekäme von mir 9 von 10 Punkten beim Net Promoter Score. Als Mann und als Präsident. Aber schlaflose Nächte hatte ich seinetwegen nie.

Donald sieht nicht halb so gut aus. Sein Sex-Appeal erreicht meines Erachtens nicht mal 20 Prozent, wenn Barack bei 100 liegt.

Ich höre ein „Du bist aber großzügig.“.
Ich: „Meinst Du, das ist übertrieben?“
Mann im Ohr: „Gemessen an ihm erreicht Donald höchstens 5, würde ich sagen.“
Ich: „Na ja, wenn Geld sexy macht, dann vielleicht ein bisschen mehr. Aber vergleichsweise würde er schon sehr schlecht abschneiden.“

Wir sind uns einig. Donald ist der Loser in diesem Spiel. Als Mann und als Präsident.

Und trotzdem ist er es, der mich manchmal nicht schlafen lässt. Der mir ein mulmiges Gefühl macht. Der sich in meinem Kopf festgesetzt hat.

Solange alles läuft, nehmen wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, kaum wahr. Erst wenn uns etwas nicht gefällt, bekommt es unsere Aufmerksamkeit. Dass Amerika ein Verbündeter ist, war in den letzten Jahrzehnten selbstverständlich. Selbst, als Barack Angelas Handy abgehört hat. Dass das mal in Frage stehen könnte, war so abwegig, dass ich lange keinen Gedanken daran verschwendet habe.

Mann im Ohr: „Bei anderen Menschen ist das doch genauso.“
Ich: „Du meinst bei Männern? Oder Frauen? Also in Beziehungen?“
Mann im Ohr: „Ja. Aber nicht nur.“

Ich versuche mich zu erinnern. Mit den guten Männern habe ich mehr Zeit verbracht. Viel mehr. Gottseidank.

„Gedanklich auch?“ fragt jemand sehr leise.

Wenn ich ehrlich bin: nein. Ich habe mehr mit ihnen unternommen, öfter mit ihnen geredet, mehr Sex mit ihnen gehabt. Aber gedanklich habe ich viel zu viel Zeit mit denen verbracht, die mich enttäuscht haben. Warum auch immer.

Das findet jemand interessant: „Wie kommt das?“
„Gute Frage.“ Ich überlege eine Weile. „Wenn ich zum Beispiel richtig guten Sex hatte, hab ich den genossen und danach nicht weiter daran gedacht. Und mich auf´s nächste Mal gefreut.“
Mann im Ohr: „Und bei schlechtem?“ 
Ich: „Habe ich mich hinterher gefragt, ob das nächste Mal wohl besser wird. Und mir nen Kopf gemacht. Mich gefragt, ob es an mir lag oder an ihm und was ich vielleicht tun könnte, damit es besser wird. Überlegt, ob ich es ansprechen soll. Und wie. Ich meine, wie sagt man jemandem, dass er einen nicht befriedigt? Wenn er es anscheinend selbst nicht schnallt?“
Mann im Ohr: „Warum hast Du nicht einfach aufgehört damit?“
Ich: „Womit?“
Mann im Ohr: „Dich mit den Schlechten-Sex-Männern zu treffen.“

Das ist eine sehr gute Frage. Wenn einen etwas nicht glücklich macht, ist es eine Option, damit aufzuhören. Und nicht die schlechteste.

„Bei sowas hast Du die Wahl. Donald wirst Du nicht so schnell los.“ Der kleine Mann klingt fast hoffnungslos.

Wie wahr. Eigentlich ist das doch eine gute Nachricht. Die allermeisten Menschen, die einem nicht in den Kram passen oder einen nicht gut behandeln, könnte man im Handumdrehen loswerden. Man müsste nur den Mut haben, laut und deutlich zu sagen, dass sie sich verpissen sollen. Und sich auf die fokussieren, die einen glücklich machen.

Mann im Ohr: „Wann gewöhnst Du Dir diese Bauarbeiter-Flucherei ab?“
Ich: „Nie. Ich mag die entsetzen Gesichter in die ich dann jedes Mal schaue. Diesen ‘Huch, hat dieses zarte Blondchen wirklich grade Wichser gesagt?’-Blick.“ 

Kurz bevor mir die Augen zufallen schießt mir ein Gedanke durch den Kopf:
Kann es sein, dass wir den idealen Partner vor der Nase haben und nicht mal bemerken? Weil unser Augenmerk viel zu sehr auf denjenigen liegt, die wir besser einfach ignorieren würden?