Ich bin ein verkrampfter Freak

Als ich schon fast eingeschlafen bin, fällt dem kleinen Mann noch etwas ein.

„Du musst den Artikel noch verlinken! Der war interessant.“ 
Ich bin erstaunt. „Seit wann liest Du mit?“
Mann im Ohr: „Wenn es interessant ist. Nur Krimis mag ich nicht. Die machen schlechte Träume.“

Ein aufmerksamer Leser hat mir einen Link zu einem Artikel in der ‘Welt’ geschickt. Er war aufschlussreich. Und ich habe mich und einige andere darin erkannt. Es ist schon eine ganze Weile her und irgendwie passte es inhaltlich nie so richtig. Heute habe ich den Artikel zum dritten Mal gelesen. Eigentlich bin ich schon zu müde zum bloggen. Andererseits bin ich nicht der Typ, Dinge lange aufzuschieben. Es sei denn, sie sind wirklich unangenehm.

Mann im Ohr: „Findest Du Karneval feiern unangenehm?“
Ich: „Wie kommst Du drauf?“
Mann im Ohr: „Weil Du das schon seit Jahren immer wieder um ein Jahr aufschiebst.“
Ich: „Aber dieses Jahr machen wir das. Ehrlich.“ 
Themawechsel. Aber schnell.

In dem Artikel geht es darum, wie wir klugerweise vorgehen sollten bei der Partnersuche. Und darum, wie wir es tatsächlich tun. Und darum, mit welchen gesellschaftlichen Erwartungen ein Mensch auf Partnersuche konfrontiert wird. Und darum, dass Menschen, die rational und sinnvoll vorgehen, abgetan werden als verkrampft oder Freaks.

Ich kann zwar nicht behaupten, je eine Excel-Tabelle angelegt zu haben bezüglich möglicher Lebenspartner. Das liegt aber nicht daran, dass ich dieses Vorgehen abwegig finde. Sondern eher darin begründet, dass Excel und ich miteinander auf Kriegsfuß stehen. Trotz Web Based Training, durch das ich mich gequält habe. Ich mache so etwas – old school – auf Papier oder im Kopf. Ich stelle Aufwand und Risiken dem erwarteten Nutzen gegenüber. Wenn ich mit jemandem etwas anfange, der kein Potential als dauerhafter Partner hat, ich also nicht voraussichtlich ca. 20.000 Mahlzeiten und 100 Urlaube mit ihm verbringe, welche Voraussetzungen muss er dann erfüllen? Dabei ist zu bedenken, dass ich in der Zeit, die ich mit ihm ‘verschwende’ möglicherweise den Mann verpasse, der geeignet sein könnte, ihm 18.000 Mal zu erzählen, wie mein Tag war. Muss er also weniger Kriterien erfüllen, weil er ohnehin nicht bleibt oder mehr, weil er mir Zeit auf der Suche nach dem ‘Richtigen’ stiehlt? Da bin ich mir noch nicht so sicher.

Mann im Ohr: „Weniger im Bezug auf dauerhaft wichtige Kriterien und mehr im Bezug auf … andere Dinge. Ist doch logisch.“
Ich: „Was meinst Du konkret?“
Mann im Ohr: „Er muss verfügbar sein und gut küssen und all das.“
Ich: „All das?“
Mann im Ohr: „Du weißt schon. Er muss hier oben Feuerwerk machen.“

Das klingt ziemlich unromantisch. Aber letztlich ist es doch mit jeder Entscheidung so. Ich überlege mir ja auch morgens, was mir mehr Wert ist: die 2,50 EUR im Portemonnaie oder der Koffeinschub durch den Latte Macchiato. Und die Entscheidung fällt beinahe immer zugunsten des Koffeins. Vernünftig ist das nicht.

Ich bin nicht sicher, was ich dem kleinen Mann sagen soll wegen Karneval. Ich hatte bisher jedes Jahr eine adäquate Ausrede. Kein Kostüm, keine Zeit, weiß nicht, mit wem ich feiern soll, krank. Aber dieses Jahr stimmt das alles nicht. Und er freut sich schon seit Jahren wie ein kleines Kind auf Weihnachten, wenn es auf Karneval zugeht. Er singt auch die Lieder immer begeistert mit, wenn ich im Auto Karnevalslieder höre, statt zu feiern.

Ich höre ein aufgeregtes Flüstern: „Gehen wir dieses Jahr wirklich? Und singen ganz laut kölsche Lieder?“
Und dann höre ich mich ernsthaft sagen: „Versprochen.“.

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