Wann haben wir aufgehört, uns einfach zu treffen?

Ich bin mir nicht sicher, ob Benny und ich ein Date hatten. Bei Patrick stelle ich mir die gleiche Frage. Obwohl das eher was Kumpelhaftes hatte.

Mann im Ohr: „Na Du hast ja auch schon vorher ne Nachricht geschickt, in der Du quasi angekündigt hast, dass nix läuft.“
Ich: „Stimmt nicht.“ 
Mann im Ohr: „Wohl.“
Ich: „War aber nicht so gemeint.“ 
Mann im Ohr: „Wäre es hilfreich, wenn Du demnächst einfach schreibst, was Du meinst?“ 
Ich: „Du solltest an Deiner Fragetechnik arbeiten, wenn Du schon meinst, Du müsstest mich coachen.“ 
Mann im Ohr: „Findest Du nicht, dass geschlossene Suggestivfragen manchmal hilfreich sein können?“
Ich schweige.
Mann im Ohr: „Oder wenigstens nicht schreiben, was Du nicht meinst. Das wäre quasi die Vorstufe von schreiben, was Du meinst.“ 

Ich habe keine Ahnung, was Patrick von mir will. Wann haben wir aufgehört, uns einfach nur zu treffen? Ist jedes Treffen allein mit einem Mann, der theoretisch passen könnte, ein Date? Viele sehen das so. Mir gefällt das nicht. Macht das Ganze so unentspannt.

Mann im Ohr: „Ist das aus den USA rübergeschwappt?“
Ich: „Ich glaube schon.“
Mann im Ohr: „Wie Halloween und der Valentinstag?“
Ich: „Der Valentinstag ist ursprünglich europäisch, meine ich.“ 
Mann im Ohr: „Aber dieser Quatsch mit Blumen und Geschenken und so doch nicht?“ 
Ich: „Jedenfalls war das bei uns sehr lange nicht üblich.“
Mann im Ohr: „Das mit Benny war ein Date.“

Ich wünschte, es wäre ein Treffen gewesen. Ich finde ihn nett.

Der kleine Mann kichert: „Das ist, als würde Angela Merkel einem ihrer Minister ihr Vertrauen aussprechen.“
Ich: „Sehr witzig. Ich finde ihn wirklich nett.“
Mann im Ohr: „Wir befinden uns unmittelbar vor einem Korb.“
Ich: „Wenn es keine Dates wären, müsste ich auch keine Körbe verteilen.“ 
Mann im Ohr: „So konfliktscheu?“
Ich: „Mal ehrlich, das ist jetzt bestimmt vier Wochen her mit unserem ersten Treffen. Er hat keine Anstalten gemacht, schnell ein zweites auszumachen. Und dann haben wir uns noch mal verabredet…“
Mann im Ohr: „Ging von ihm aus. Und er wollte Dich früher sehen und Du warst zu busy.“
Ich: „Ich hasse dieses Wort. ‘Zu busy’ ist der ärmste Korb von allen.“ 
Mann im Ohr: „Hast Du ihm aber mehr oder weniger so gesagt.“ 
Ich: „Ich habe nur gesagt, ich sei jeden Abend anderweitig verabredet. Stimmte doch. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und dann habe ich ihm ja einen Termin angeboten. Eine Woche im Voraus verabredet und dann geht er lieber zu einer Feier ins Labor. L A B O R. Wer verbringt denn einen Abend lieber in einem Labor als mit mir und einem Glas Wein?“
Mann im Ohr: „Er hat gesagt, er will Dich wiedersehen.“ 

Ich: „Man soll Menschen an Taten messen, nicht an Worten. Außerdem hat er das nicht.“
Mann im Ohr: „Doch, ich bin mir sicher.“ 
Ich öffne die Konversation und lese vor: ‘Was aber nicht heißt, dass ich Dich nicht wiedersehen mag.’
Mann im Ohr: „Ach, das ist doch quasi die Vorstufe von ‘Ich will Dich wiedersehen.’.“

Ich war nicht mal enttäuscht. Ich hab mich gefreut, dass ich allein zuhause bleiben und mich auf´s Sofa fläzen kann. War mir viel lieber.

Mann im Ohr: „Wir haben es hier wohl mit zwei Menschen zu tun, die einfach nicht aufeinander stehen und beide keine Eier haben, das auszusprechen.“
Ich: „Was auch nicht nötig wäre, wenn dieser ganze Dating-Quatsch nicht wäre.“ 

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