Ich habe vor einiger Zeit einen Mann kennengelernt, an dem ich eigentlich nichts hätte auszusetzen haben dürfen. Ich frage mich, ob das grammatikalisch so einwandfrei ist.
Mann im Ohr: „Es klingt gestelzt. Nach Stock im …“
Eigentlich.
Er hätte genau das richtige Alter für mich. Er ist nett und sieht gut aus. Er fand mich toll und wollte mich unbedingt so oft wie möglich sehen. Er ist, ohne zum meckern, 200 Kilometer gefahren, nur um mich zum Abendessen zu treffen und hinterher wieder nach Hause. Also 400 Kilometer für ein Abendessen mit mir. Ohne Dessert.
Mann im Ohr: „Allein das spricht dafür, dass etwas mit ihm nicht stimmt.“
Er hat einen Beruf, den er liebt und in dem er erfolgreich ist. Dabei ist er kein Workaholic. Seine Freizeit ist ihm genauso wichtig wie sein Job. Er fährt ein schickes, aber nicht zu teures Auto. Es zeigt, dass er sich etwas leisten kann, ohne prollig zu wirken. Er ist schlank und sportlich, aber nicht übertrainiert. Er liebt Tiere und Kinder und ist ausschließlich an einer festen Beziehung interessiert. Dass er für langfristige Bindungen zu haben ist, hat er schon in einer ziemlich langen Beziehung unter Beweis gestellt. Die Trennung ist lang genug her, um darüber hinweg zu sein und nicht nur ein Trostpflaster zu suchen. Er hat mir täglich geschrieben, wie toll er mich findet. Er hat einen Hund und liebt Kinder. Er trinkt gern guten Wein, aber nicht zu viel. Er liebt gutes Essen. Wie ich. Und schönes Wohnen. Er kauft stilvolle Möbel. Er fährt gern ans Meer und würde mich noch lieber einpacken und mitnehmen.
Mann im Ohr: „Komm mal zum Punkt.“
Ich: „Stimmt doch alles!“
Mann im Ohr: „Er hat dich gelangweilt.“
Zu Tode. Wenn ich ihm was erzählt habe, hat er zugestimmt. Wenn er mir was erzählt und ich ihm widersprochen habe, hat er seine Meinung revidiert oder mir erklärt, ich hätte ihn missverstanden und selbstverständlich recht. Er hat oft „Interessant.“ oder „Beeindruckend.“ und „Das sehe ich genauso.“ gesagt. Er hat gefragt, was ich machen möchte und woran ich Spaß habe, weil ihm egal war, was wir machen, solange er mich nur sehen konnte. Das hat er mir genau so gesagt.
„Ich hätte doch glücklich sein müssen?“ Ich denke laut.
Mann im Ohr: „Nein.“
Ich: „Warum nicht? Viele Frauen würden sich einen Arm abhacken für so einen.“
Mann im Ohr: „Du bist ein Wüterich. Schon vergessen?“
Ich: „Konsens macht mich also fertig?“
Mann im Ohr: „Das stimmt so nicht.“
Das ist mein Satz. Ich sage nie „Das stimmt nicht.“. Na ja, sehr selten. Sondern immer „Das stimmt so nicht.“. Mit Betonung auf dem so. Typisch Jurist. Zugeständnis an die Gegenseite bei gleichzeitigem Widerspruch.
Mann im Ohr: „Du liebst Konsens. Aber nur, wenn dem Konsens eine heftige Diskussion vorausgegangen ist.“
Ich denke ein Weilchen darüber nach. Scharfe Argumentation träfe es eher.
Ich: „Ich liebe es Recht zu haben, das habe ich ja quasi studiert. Aber meine Beute darf nicht schon tot sein. Ich muss sie zuerst jagen und erlegen. Macht doch keinen Spaß sonst.“
Mann im Ohr: „Verstehst Du jetzt endlich, wie Männer ticken?“