Kleider machen Leute

So hieß auch schon mein letzter Post. Ich weiß das.

Gestern bin ich angesprochen worden. In der Sauna. Das ist ein Dauerthema bei mir. Als hätte ich ‘chronisch-untervögelt-ich-tus-egal-mit-wem’ auf der Stirn tätowiert.

Mann im Ohr: „Das ist totaler Blödsinn!“
Ich: „Warum sprechen die mich dann immer an? Die alten, dicken, hässlichen Männer mit Haaren auf dem Rücken? Mit diesem Ich-vernasch-dich-Süße-Blick?“
Mann im Ohr: „Deshalb jedenfalls nicht.“
Ich: „Woher weißt Du das?“
Mann im Ohr: „Keiner von denen hat je auf Deine Stirn geschaut.“

Marcus, das ist ein Stammkunde aus ‘meiner’ Sauna, meinte mal, ich sähe selbst nackt zugeknöpft aus. Das würde Männer eben reizen und ihren Ehrgeiz wecken. Eine andere Stammkundin wird regelmäßig angequatscht, weil sie offenherzig wirkt. Wie man´s macht macht man´s falsch.

Mann im Ohr: „Dieser Carsten war jung und trainiert und hatte am ganzen Körper kein Haar.“

Das erste Mal ist mir das vor acht Jahren passiert. Ich war mit Ben in den Thermen und habe meinen Ehering getragen. Ben war fast die ganze Zeit an meiner Seite. Fast. Dann bin ich für 10 Minuten alleine in den Eis-Salz-Aufguss. Ben mag keine Aufgüsse und auch nicht, wie da alle immer wie die Hühner auf der Stange sitzen. Da hat mich ein Typ gefragt, ob er mich mit Salz abreiben soll. Als ich barsch verneint habe, kam eine erneute Frage und später hat er Ben sehr böse angeschaut. Wohlgemerkt, der aufdringliche Kerl schien sauer auf Ben zu sein, nicht umgekehrt. Als hätte mein Mann ihm die Frau ausgespannt.

Vor drei Jahren hat mich Carsten in meiner Stammsauna angelächelt. Während er sich von einer anderen Frau den Rücken hat massieren lassen. Die, das stellte sich später heraus, war seine feste Freundin, die er für mich aber jederzeit verlassen hätte. So weit war er, nachdem er mir in die Umkleide gefolgt war und drei Sätze mit mir geredet hatte.

Mann im Ohr: „Soll Guiseppe noch mal behaupten, Du könntest Männer nicht binden.“
Ich: „Na ja, so was ist schnell gesagt, wenn man den anderen nicht näher kennt.“

Letztes Jahr ist Norbert auf der Bildfläche erschienen. Er hat mich nicht angesprochen oder angelächelt oder ich weiß nichts davon. Dafür schreibt er mir Liebesbriefchen, die er mir in meine Bücher oder unter mein Handtuch legt. Darin steht zum Beispiel „Interessantes Buch“ und „Danke für den schönen Ein- und Ausblick.“. Ich habe das der Geschäftsführung gemeldet, aber die weiß genauso wenig, wer Norbert ist, wie ich. Sie würden ihm Hausverbot erteilen, aber dafür müsste ich ihn identifizieren. Ich habe mit allen mir bekannten Stammkunden gesprochen, aber niemand kennt ihn. Sie halten die Augen offen, aber noch ist er nicht gefasst.

Den Mann, der mich für eine ukrainische Krankenschwester gehalten hat, zähle ich hier nicht mit. Denn das war keine dumme Anmache, sondern ein normales, nettes Gespräch, das sich zufällig in besagter Umgebung ergeben hat.

Bei meinen Vorerfahrungen war ich nicht sehr überrascht über Fabrice, der mir gestern meinen entspannten Nachmittag versaut hat. Ich war in einer Hotelsauna, weil ich grade auswärts arbeite. Nicht besonders schön oder luxuriös, aber immerhin eine kleine Sauna, eine kalte Dusche und eine Dachterrasse mit Blick über die Dächer des Gewerbegebiets. Es kann nicht immer romantisch sein.
Fabrice saß schon in der Sauna, als ich meinen zweiten Saunagang begonnen habe und hat mich nach etwa 10 Sekunden angesprochen. Ob ich Englisch spreche. Wie lange man in so einer Sauna bleiben dürfe. Was es mit den Sanduhren auf sich habe. Ob es ok sei, dass wir beide nackt seien, wo ich doch eine Frau sei. In Frankreich ginge das nicht, aber wir Deutschen würden ja anders ticken. Es war relativ klar, dass er das Gespräch nicht beenden wollte. Obwohl ich einsilbig und lediglich unterkühlt-höflich war, hat er mich zu sich nach Hause eingeladen. Nach Paris. Da war wohl wieder meine zugeknöpfte Art Schuld. Ich bin dann gegangen. Es war sonst niemand da und man weiß ja nie. In ‘meiner’ Sauna, wo immer ein Saunameister und Leute, die mich kennen, in der Nähe sind, ist angesprochen werden schlimmstenfalls lästig und manchmal sogar amüsant. Aber so ganz alleine mit Fabrice kam plötzlich der kleine Schisser in mir durch.

Ich: „Ich frage mich, wie Männer das hinbekommen. Immer den richtigen Zeitpunkt abzupassen und sofort in die Vollen zu gehen. Wo nehmen die das Selbstbewusstsein her? Und warum sind die alten Männer immer besonders dreist?“
Mann im Ohr: „Es gibt auch Frauen, die das hinbekommen.“
Ich: „Mmh.“
Mann im Ohr: „Überleg mal, wie viele Männer Dich nicht angesprochen haben. Das sind viel mehr.“
Ich: „Du meinst, da sind überwiegend Gentlemen unterwegs?“
Mann im Ohr: „Genau. Du nimmst die unangenehmen Typen nur eher wahr.“
Ich: „Das Thema hatten wir schon mal. Das war die Barack-Donald-Sache.“