Ups!

Da blogge ich seit Monaten und zerbreche mir den Kopf über Dinge wie die allgemeine Weltlage, Terrorgefahr, die Flüchtlingswelle und wo ich Klamotten spenden kann. Über die Liebe und was richtig und was falsch ist, über Wertvorstellungen und Glaubenssätze und Religion und Fakes und den perfekten Kuss.

Aber die wirklich wichtigen Dinge habe ich verpasst.

Die, über die alle reden. Und posten.

Einhörner

Minions

Flamingos

Mir war völlig entgangen, dass es diese Dinge überhaupt gibt.

Also Flamingos kannte ich. Aus dem Zoo. Und von diesen Gläsern, die in den 90ern bei Mädchen total hip waren. Von Leonardo. Da waren Flamingos drauf, die je nach Temperatur des Getränks die Farbe verändert haben.

Gestern habe ich Freundschaft mit einem Einhorn geschlossen. Meine Schwester Sophie hat so einen Gasluftballon in Form eines Einhorns erstanden. Für Emma, die nicht mit uns auf der Kirmes war. Bei dem stolzen Preis von 14,50 EUR ist Sophie fast tot umgefallen. Aber Emma war es ihr wert. Ich habe angeboten, das Ding an mein Handgelenk zu binden und nach Hause zu … tragen? Passt hier irgendwie nicht. Das Einhorn schwebte jedenfalls über meinem hübschen Kopf. Und dann sind wir an zwei Schützen vorbei.

Mann im Ohr: „Ihr seid an hunderten von Schützen vorbei.“
Ich: „Lass mich doch ausreden. Dass Männer einem ständig ins Wort fallen müssen.“

An zwei Schützen, von denen einer mich von früher kennt. Wir haben zusammen studiert und uns ewig nicht gesehen. Bei unserer letzten Begegnung saß ich mit ihm in seinem Garten und er hat gefragt, ob ich noch Sterne gucken will und angeboten, dass ich bei ihm übernachten kann. Paul. Er sieht noch besser aus als früher. Jedenfalls habe ich nein gesagt und bin brav nach Hause gefahren. Damals. Gestern hat er nicht gefragt.

Ich bin also kichernd und mit Einhorn am Handgelenk über die Kirmes gelaufen und auf einmal sehe ich Paul. Und er mich. Und guckt mich an mit offenem Mund und sagt völlig verwirrt „Hallo“. Da war ich auch schon wieder weg.

Sophie hat sofort gefragt, wer DAS denn bitte war und was für ein Blick und überhaupt. Ich habe für eine Sekunde gedacht, meine Erscheinung hätte ihn so beeindruckt und er hätte auch sofort an unsere Nacht denken müssen und all die Dinge, die wir beide wollten und nie getan haben. Und dann hat Sophie gesagt, „DER Blick war die 14,50 EUR wert“.

Ich muss mir wohl eingestehen, dass es weniger um mich als um die ungewöhnliche Kombination ging. Ich bin so ungefähr die letzte Frau, an deren Handgelenk man ein Einhorn erwarten würde. Und dann hatte ich auch noch flamingofarbene Sneakers an.

Mann im Ohr: „Ändern die auch die Farbe, je nach Temperatur der Füße?“
Ich: „Sie haben die Farbe geändert gestern Abend.“
Mann im Ohr: „Weil dir heiß geworden ist, als du Paul gesehen hast?!“

Auch hier muss ich mir eingestehen, dass es wohl eher am staubigen Kirmesplatz und den Pferdeäpfeln lag als an einer paulbedingten Hitzewallung. Sie sehen ganz schön mitgenommen aus.

Mann im Ohr: „Wir streuen Sternenstaub drauf, dann sind die wieder wie neu.“