Ich gehe fremd

Ich dachte, das sollte ich erwähnen.

Mann im Ohr: „Jetzt übertreibst du aber.“
Ich: „Na ja, stimmt doch irgendwie.“
Mann im Ohr: „Das klingt nach Aufregung, als hättest du Sex gehabt. Als wär was Spannendes passiert.“

Schön wär´s.

Mann im Ohr: „Das letzte Mal war am 21. …“
Ich: „Du bist auch ein kleiner Zahlenfetischist. Ich meinte, ich gehe meinen Lesern fremd.“

Ich habe einen neuen Blog. Mit inzwischen 10 Beiträgen. 2 wurden geliked. Das sind mehr als hier. Obwohl ich fairerweise sagen muss, dass viele mir persönlich oder über Nachrichten positives Feedback gegeben haben. Die Krux hier ist, dass ich nicht mehr unbefangen schreiben kann. Niemand weiß von meinem neuen Blog. Außer den Lesern. Also denen, die irgendwie zufällig darauf gestoßen sind und mich nicht kennen.

Mann im Ohr: „Ich finde, du solltest hier trotzdem weitermachen.“ 

Er klingt ein bisschen beleidigt. Im neuen Format kommt er nicht vor. Sein Ego hat das noch nicht weggesteckt.

Für mich ist es befreiend, dass ich schreiben kann, was ich denke. Ohne befürchten zu müssen, dass Kollegen oder mein Chef es lesen.

Mann im Ohr: „Nicht zu vergessen dein Vater. Und deine Mutter.“ Er schlägt einen vernünftigen, gefassten Ton an. „Es ist besser so. Ich habe das schon lange gesagt.“

Klar. Männer.

Mann im Ohr: „Aber ich will ein Happy End.“

Klar. Männer.

Mann im Ohr: „Die kleine Frau in seinem Kopf soll mittelgroß sein und lange Haare haben. So einen Schnitt wie Jennifer Aniston. Sie soll hübsch sein und dieses gewisse Etwas haben und einen Knackpo und vielleicht auch große Brüste. Also größere als Du, aber das ist ja eigentlich keine Kunst…“

Klar. Männer.