Ich kann´s nicht lassen

Das hier hat mir gefehlt. Das neue Blog-Experiment war nett, aber ohne den kleinen Mann ist bloggen nicht dasselbe.

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, gar nicht mehr zu bloggen, um mich mehr auf die ‘richtigen’ Schreibprojekte zu konzentrieren.

Mann im Ohr: „Als wär ich weniger wichtig als so ein blöder Krimi. Oder – schlimmer – ein SACHBUCH.“

Es klingt, als würde sich in meinem Kopf jemand übergeben.

Ich: „Wenn du brechen muss, dann nicht IN meinem Kopf!“
Mann im Ohr: „Ich kotze immer nur in deine Ohrmuschel, damit du alles wegputzen kannst. Was glaubt ihr Menschen denn, woher das kommt, was ihr ‘Ohrenschmalz’ nennt?“
Ich: „Das ist Erbrochenes?!“
Mann im Ohr: „Natürlich. Das haben Ärzte schon vor Jahrhunderten rausgefunden. Sie haben es nur nicht publik gemacht, weil man dann so viele Menschen in die Psychiatrie hätte einweisen müssen. Sie selbst eingeschlossen.“

In meinem Ohr giggelt es. Eingeschlossen.

Ich: „Du warst schon mal witziger.“
Mann im Ohr: „Das war damals wahrlich kein Vergnügen. Eingeschlossen sein.“
Ich: „Ich würde auch heute gern drauf verzichten.“

Wir schweigen.

Mir fällt ein, dass ich ziemlich wenig Ohrenschmalz produziere. Der kleine Mann muss also relativ zufrieden mit mir sein. Bis auf die Tatsache, dass ich nicht mehr über ihn schreibe. Das hat dazu geführt, dass er sich mit anderen Dingen beschäftigt hat. Mit Dingen, die ich eigentlich nicht billige, die meine Aufmerksamkeit erregen und mich aufregen und dann dazu bringen, darüber zu schreiben. Er ist clever.

Mann im Ohr: „Was sonst? Ich kann ja zu 100% auf deine Gehirnkapazität zugreifen und habe zusätzlich noch mein eigenes.“

Ich frage mich, ob ich selbst noch auf mein Gehirn zugreifen kann, wenn er es nutzt. Eine Excel-Tabelle ist ja auch gesperrt, wenn jemand anders das Dokument geöffnet hat. Vielleicht habe ich deswegen manchmal Aussetzer?

Man merkt dem kleinen Mann jedenfalls an, dass sein Selbstbewusstsein ein kleines bisschen gewachsen ist in den letzten Wochen. Er hat eine – sagt er – wahnsinnig heiße, nette, intelligente Frau kennengelernt. Er hat, um präzise zu sein, eine Affäre mit ihr angefangen.

Ich bin ganz froh, dass es nur das ist. Nicht auszudenken, wenn plötzlich noch jemand in meinen Kopf einziehen würde. Mein Platz ist begrenzt.

Mann im Ohr: „Der Platz ist das geringere Problem. Deine Geduld ist viel begrenzter. Du würdest zwei von meiner Sorte nicht ertragen.“

Wie wahr.

Mann im Ohr: „Ich bin auch froh, dass sie nicht hier einzieht.“
Ich: „Aber dann könntest du sie doch häufiger sehen und, na ja.“
Mann im Ohr: „Das Erotischste ist doch oft die Phantasie.“
Ich: „Man schreibt das jetzt mit F. Das sieht total bescheuert aus. Als hätten wir nicht schon genug F-Wörter.“
Mann im Ohr: „Ich mag es, an sie zu denken und mich auf´s nächste Treffen zu freuen. Das ist genauso schön wie, na ja, du weißt schon.“