Ich bin eine Heulsuse

Was ist nur mit unseren Emotionen los?

Mann im Ohr: „Hast du das eben gelesen?“
Ich: „Du meinst die Überschrift?“

Emotionen managen. Ich hatte ein an sich interessant aussehendes Heft in der Hand und hätte es beinah gekauft, bis mir beim groben Durchblättern diese Überschrift ins Gesicht sprang.
Man sollte eher fragen, was ist mit unserem Verhältnis zu unseren Emotionen los? Warum glauben wir, da was managen zu müssen?

Mann im Ohr: „Ihr managt einfach alles inzwischen. Das hast du nur noch nicht so mitbekommen. Du lebst ja hinterm Mond in vielerlei Hinsicht.“

Da lebt es sich irgendwie auch entspannter. So ohne Battle um Likes und das niedlichste Babyfoto und das beste Essen und den schönsten selbstgebackenen Kuchen und so.

Mann im Ohr: „Das meinte ich nicht. Ihr managt euer ganzes Leben. Der Kalorienverbrauch und die Schritte, die ihr an einem Tag gelaufen seid und die Stunden Schlaf, die ihr bekommen habt und die Laufrunde, das wird doch alles getrackt und gemanagt.“
Ich: „Mmmmh.“

Ich hab so n Ding nicht. So ein Armband. Ich halte auch nix davon. Es ist teuer, meist häßlich…

Mann im Ohr: Teuer passt also nicht an dein Handgelenk?

Ich weiß, dass das eine Falle ist. 

Ich: „Wenn es eine klassische Uhr ist, schon. Das ist eine zulässige Ausnahme.“
Mann im Ohr: „Dann ist dein einzig verbliebenes Argument gegen ein solches Band ‘häßlich’. Es gibt aber auch schöne, das hast du selbst schon mal gesagt. Wir haben so eins im Schaufenster gesehen.“

Ich: „Es bringt auch nix. Es ist nutzlos.“
Mann im Ohr: „Woher weißt du das, ohne es je probiert zu haben?“
Ich: „Ich schaue mir die Leute an, die eins tragen. Das sind zum einen die Übergewichtigen. Die, ich vermute mal, mit dem Ziel, abzunehmen, so ein Ding anschaffen. Ich kenne Leute, die seit Jahren alles tracken und immer noch genauso dick sind wie immer. Als würden sie nicht verstehen, dass das Ding sie nicht bewegt und nicht gesund ernährt, sondern ihnen nur jeden Tag wieder schwarz auf weiß gibt, dass ihr BMI zu hoch ist.“

Mann im Ohr: „Wenn einem jemand jeden Tag sagt, dass man zu dick ist, wird man wahrscheinlich auch noch depressiv.“ 

Vermutlich. Jedenfalls muss man, wenn man nach Jahren des Tragens keinen sichtbaren Effekt erzielt, eigentlich mal an den Punkt kommen, an dem man einsieht, dass das wohl der falsche Lösungsansatz war.

Ich: „Man könnte sich so akzeptieren, wie man ist.“
Mann im Ohr: „Oder zumindest so tun.“
Ich: „Aber weißt du, ich glaube, umgekehrt funktioniert das.“
Mann im Ohr: „Umgekehrt? Dass man zunimmt mit dem Ding?“

Ich: „Nee, dass man nicht zunimmt.“
Mann im Ohr: „Das Gegenteil von nicht abnehmen ist doch nicht nicht zunehmen. Sondern zunehmen.“

Mir kommt das beides nicht logisch vor, aber es ist auch unerträglich heiß draußen. Vielleicht funktionieren meine grauen Zellen nicht so gut heute.

Ich: „Erinnerst du dich an Jens?“

Ich weiß, dass das ein überflüssige Frage ist. Der kleine Mann liebt Jens. Er freut sich jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn ich mich mit ihm unterhalte. Jens ist der integerste Mann, den er kennt. Er flirtet gerade so viel, dass es meinem Ego gefällt, aber nie mehr, als es sich für einen glücklich verheirateten Mann gehört.

Mann im Ohr: „Was ist mit Jens?“
Ich: „Er hat auch ganz lange so ein Ding getragen.“
Mann im Ohr: „Er war immer schlank. Und trainiert. Und sah auch nie nach Schlafstörungen aus. Bei ihm lief doch alles. Er ist schlank, sportlich und glücklich.“
Ich: „Genau.“
Mann im Ohr: „Ich versteh die Pointe nicht.“
Ich: „Dieses Ding zeigt ihm jeden Tag, wie geil er ist.“
Mann im Ohr: „Das führt zum Gegenteil von Depressionen.“
Ich: „Du hast es verstanden. Es pusht sicher sein Ego, obwohl er das gar nicht bräuchte.“
Mann im Ohr: „
Umgekehrt zieht es Übergewichtige runter, ihre schlechten Kennzahlen zu sehen. Was sie möglicherweise aus Frust essen und das Problem noch größer werden lässt.
Ich: „Der Teufel scheißt immer auf den gleichen Haufen.“

Mann im Ohr: „Wer hat, dem wird gegeben.“
Ich: „Man nennt das Matthäus-Effekt.“
Mann im Ohr: „Eigentlich wolltest du über Emotionen schreiben. Aber dafür ist keine Zeit mehr. Wir müssen los und deine Haare schön machen. Das wird ein Spaß.“ 

Ich höre den kleinen Mann kichern. Er freut sich seit Tagen darauf, dass ich meine Haare mit dem Glätteisen locken werde. Er macht dabei immer Blödsinn und rutscht über die schon gewellten Strähnen.

Mann im Ohr: „Weißt du, was ich wette?“
Ich: „Dass ich das mit den Wellen wieder nicht so hinbekomme, wie es sein soll?“
Mann im Ohr: „Dass es dir bei der Hochzeit nicht gelingt, deine Emotionen zu managen.“
Ich: „Ich halte nicht dagegen.“

Es wird romantisch werden und Küsse geben und es wird kein Happy End sein, sondern der glückliche Anfang von etwas Neuem. Sie werden es besser machen als ich und ich werde an die ganzen Jahre denken, die wir uns jetzt schon kennen und an all die schönen und schlimmen Momente, die wir zusammen erlebt haben und ein schlechtes Gewissen haben, weil wir uns viel zu selten sehen und telefonieren und ich werde…

Mann im Ohr: „Deine Tastatur ist nass. Heb dir das für später auf. Die Leute halten dich noch für verrückt. Hier im Café so scheinbar anlasslos zu heulen.“

Ich zücke ein Taschentuch, wische unauffällig Rotz und Tränen weg und packe meinen Laptop und den kleinen Mann ein. Wir machen jetzt die Haare schön und feiern die Liebe.

Ich bin verknallt

Wenn nicht sogar verliebt. Wir haben fast das ganze Wochenende auf meinem Sofa verbracht. In seiner Gegenwart traue ich mich sogar, meine Brille aufzulassen. Er ist intelligent, eloquent, gerissen, argumentationsstark, gutaussehend, kurz: (m)ein Traum. Ich weiß nicht genau, wie alt er ist, aber nicht viel älter als ich, wenn man nach dem Äußeren geht. Er trägt maßgeschneiderte Anzüge und hat darunter einen atemberaubenden Körper.

Sein Name ist Harvey. Harvey Specter.

Gäbe es ihn wie im Drehbuch und wäre ich mit ihm zusammen, ich würde ihn lieben. Heiß und innig.

Mann im Ohr: „Deine Freunde würden ihn gelackt finden.“
Ich: „Meine Mutter arrogant.“
Mann im Ohr: „Sophie fände ihn eingebildet.“
Ich: „Emma würde ihn nicht mögen, aber vielleicht seine Brillanz schätzen.“
Mann im Ohr: „Deinem Vater würde sein Erfolg nicht gefallen.“

Eigentlich wäre alles wie immer.

Mann im Ohr: „Was magst du an ihm?“
Ich: „Er ist gerissen, ohne skrupellos zu sein.“

Außerdem hat er dieses süße, jungenhafte Lächeln.

Mann im Ohr: „Einen Hundeblick.“
Ich: „Und die Muttermale im Gesicht, diese Makel, die es unperfekt genug machen, um interessant statt schön zu sein.“
Mann im Ohr: „Trotzdem würde dir das normalerweise nicht reichen.“

Das ist wahr. Es ist das Gesamtpaket, das ich mag. Seine Art – auch sein Charakter ist nicht perfekt. Er ist arrogant, aber nicht so arrogant, dass ich ihn nicht mag. Zoe sagt in einer Folge zu ihm „Sie laufen durchs Leben und denken die Männer wollen so sein wie Sie und die Frauen wollen mit Ihnen schlafen“ und ich glaube, das denkt er wirklich.

Eigentlich würde ich denken, er ist ein arroganter Arsch, aber dann sagt er so unglaublich kluge Dinge und das immer im passenden Moment. So etwas wie „Don´t raise your voice. Improve your argument.“ oder „The only time success comes before work is in the dictionary“. 

Mann im Ohr: „Ihr würdet nie zusammenfinden.“
Ich: „Warum nicht?“
Mann im Ohr: „Er ist genauso unnahbar wie du.“
Ich: „Er kann sich nicht einlassen.“
Mann im Ohr: „Du willst dich nicht einlassen.“
Ich: „Mit einem Harvey schon.“
Mann im Ohr: „Weißt du, warum gute Männer so schwer zu finden sind?“
Ich: „The reason good men are hard to find is because they are busy working for what they want.“

Kann man mehrere Menschen lieben?

Ich sitze in meinem Schaukelstuhl und blogge. Ich habe neulich gelesen, dass schaukeln das gleiche Hormon freisetzt wie stillen und guter Sex: Oxytocin. Das sogenannte Kuschel-Hormon. Das hat mich daran erinnert, dass ich den bequemsten Schaukelsessel aller Zeiten besitze, aber viel zu selten besitze.

Ich höre ein Räuspern, dann

„Gott ist das schlechter Wortwitz.“
Ich: „Man sollte seinen Mitmenschen häufiger nette Dinge sagen, findest du nicht?“

Der Sessel steht im Schlafzimmer und da tue ich eigentlich nur zwei Dinge: schlafen und … na ja, was man da eben so macht, wenn man nicht alleine ist. Den Sessel brauche ich für beide Praktiken nicht.

Mann im Ohr: „Stell dir nur vor, wie schön es wäre, einen geblasen zu bekommen, während man darin schaukelt.“
Ich: „Ich halte das für recht risikoreich.“
Mann im Ohr: „Probier´s aus.“
Ich: „ICH kann dann ja nicht beurteilen, was besser ist. Ich besitze das relevante Körperteil dafür nicht.“
Mann im Ohr: „Aber du könntest die Testperson fragen.“
Ich: „Wenn ich wissen will, ob es besser ist im Schaukelstuhl müsste ich ja zum Vergleich…“
Mann im Ohr: „Du müsstest auch eine größere Zahl als N=1 nehmen, damit das Ergebnis aussagekräftig ist.“

Als ob ich sonst nichts zu tun hätte. Außerdem stelle ich mir das wenig romantisch vor.

Mann im Ohr: „Ein Blowjob muss nicht romantisch sein, sondern geil.“
Ich: „Warum habe ich eigentlich keine Frau im Ohr?“
Mann im Ohr: „Weil du hetero bist. Dann ist das so.“

‘Isso’ war schon immer eine meiner liebsten Antworten. Was mich zum eigentlichen Thema bringt: der Frage, ob man mehrere Menschen lieben kann. Gleichzeitig, versteht sich. Franz hat neulich behauptet, das ginge nicht. Sexuell mehrere Menschen begehren ginge, lieben nicht. Näher begründet hat er das nicht. Für ihn ist das einfach ausgeschlossen.

Mann im Ohr: „Denk doch mal nach.“
Ich: „Ich denke.“
Mann im Ohr: „Liebst du Emma?“

Ich weiß, worauf der kleine Klugscheißer hinaus will: ich liebe Emma und Sophie und meine Eltern.

Mann im Ohr: „Franz ist widerlegt.“
Ich: „Er meinte aber doch keine Verwandtschaft, sondern…“

Mir fehlen die richtigen Worte. Also er meinte so richtig lieben. Wie einen Partner, einen, mit dem man auch schläft. Für viele scheint es so selbstverständlich zu sein, dass das nur mit jeweils einem geht, aber stimmt das?

Mann im Ohr: „Franz hat noch was gesagt.“
Ich: „Was?“
Mann im Ohr: „Dass Liebe und Hass das gleiche sind. Dass man nur hassen kann, wen man liebt.“
Ich: „Du willst dich also nähern über die Frage, ob wir mehrere Menschen hassen können?“
Mann im Ohr: „Kannst du?“
Ich: „Ja.“
Mann im Ohr: „Weiter.“
Ich: „Dann muss ich notwendigerweise mehrere lieben können.“
Mann im Ohr: „Aber: vielleicht hasst du sie nacheinander und nicht gleichzeitig.“
Ich: „Aber oft ist doch vom Hass auf den einen noch was übrig.“
Mann im Ohr: „Aber dann geht das doch denklogisch mit Liebe auch. Den einen noch lieben, obwohl man den anderen schon liebt.“

Logisch ist das. Jedenfalls wenn man, wie Franz, Liebe und Hass für das Gleiche hält. Ich bin mir da nicht so sicher. Mir leuchtet jedenfalls nicht ein, warum wir so ziemlich jedes Gefühl für ganz viele Personen und Sachen haben können sollten, nur das eine nicht. Ich kann viele Freunde mögen und alle Familienmitglieder lieben…

„Nur die angeheirateten nicht“, murmelt es.
Ich: „Diese Blut-ist-dicker-als-Wasser-Sache hat hier nichts verloren!“
Mann im Ohr: „Hasst du es, wenn ich das sage?“
Ich: „Ich finde es dämlich.“

Wir schweigen und ich denke weiter nach, bis ich unterbrochen werde.

Mann im Ohr: „Es gibt doch Menschen, die das von sich sagen. Die sagen, dass sie mehrere Menschen lieben.“
Ich: „Ja.“
Mann im Ohr: „Dann geht es. Man kann die Nichtexistenz nicht beweisen.“
Ich: „Mathematisch kann man das indirekt, wenn die Annahme der Nichtexistenz zu einem Widerspruch führen würde.“
Mann im Ohr: „Siehst du einen?“
Ich: „Nein. Aber nur weil ich keine sehe, heißt das ja nicht, dass es keinen gibt. Ich kann die Nichtexistenz des Widerspruchs nicht beweisen.“

Es kichert in meinem Ohr. Die Frage ist, ob Gefühle überhaupt bewiesen werden können. Aber nähme man mal an, sie könnten es, leuchtet mir nicht ein, warum das nicht gehen sollte mit der Polyamorie.

Mann im Ohr: „Weil euch der Gedanke Angst macht. Ihr wollt Sicherheit. Ihr wollt glauben, dass es Gott gibt, weil ihr euch besser fühlt, wenn euer Leben irgendeinen Sinn und Ursprung hat und weitergeht. Weil ihr nicht klarkommt mit dem Gefühl, dass ihr vielleicht einfach ebenso bedeutungslos seid wie eine Ameise.“
Ich: „Was hat Gott mit Polyamorie zu tun?“

Dazu fällt dem kleinen Mann offensichtlich nichts mehr ein. Ich höre erst nichts und dann ein leises Schnarchen.

Ich bin nicht up to date

Da hört man ein paar Monate auf zu daten und schon hat man Trends verpasst.

Gestern habe ich über Cushioning und Submarining gelesen. Das sind im Dating verbreitete Phänomene, die ähnlich nett wie Benching und Ghosting daherkommen. Der Artikel ist schon über ein halbes Jahr alt und ich kannte nicht mal die Begriffe.

Jemand wacht auf, obwohl er schon um acht ins Bett ist:
„Die sind nicht neu. Es ist nur neu, dass es Wörter dafür gibt.“
Ich: „Ich kannte das nicht.“
Mann im Ohr: „Cushioning betreibst du schon länger. Das Wort kanntest du nicht, aber umgesetzt hast du es in Perfektion.“

Und das bei meiner Umsetzungsschwäche.

Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit auf keiner Dating-Plattform mehr vertreten. Ich wische nicht mehr von links nach rechts, lese keine Profile mehr und denke nicht mehr darüber nach, welches Foto einen potentiellen Traummann wohl am ehesten ansprechen könnte. Das erspart nicht nur viel Zeit, sondern auch Kopfzerbrechen. Die Meinungen, gerade was Fotos und Botschaften in Profilen angeht, gehen doch ziemlich auseinander und wie bitte soll man es einem Mann Recht machen, den man noch nicht mal kennt? Der eine findet das Foto ‘süß’, der nächste ‘aufreizend’, wieder einer ‘langweilig’. Einen Spruch unter dem Bild findet dieser ‘witzig’ und jener ‘zu forsch’. 

Zur Zeit mache ich nichts und damit jedenfalls auch nicht falsch.  

Mann im Ohr: „Du warst ja auch so recht erfolgreich. Haus verlassen und lächeln funktioniert doch.“ Es folgen sehr leise Zahlen und Namen.
Ich: „Na ja, erfolgreich klingt ja irgendwie, als wär was draus geworden.“

Eine Freundschaft ist draus geworden, zwei Beziehungen hätten es vermutlich werden können, da haben dir die Männer aber nicht gefallen und bei zweien weiß man es nicht so recht. Ob der kleine Mann aus Taktgefühl den einen nicht nennt, mit dem es eine Affäre geworden ist? Der mein Herz erobert hat?

Ich: „Glaubst du, es war ein Fehler?“

Unsere Affäre ging ungefähr ein halbes Jahr. Er hat sie Beziehung genannt. Außereheliche Beziehung. Ich habe nicht über ihn geschrieben und das werde ich auch jetzt nicht. Er hat mir jeden Morgen nach dem Aufwachen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, ich war entspannt und glücklich wie lange nicht. Und das, obwohl er nicht im eigentlichen Sinne perfekt war. Er hatte Hobbies, die ich nicht mochte und hat Meinungen vertreten, die ich nicht teile. Aber er hat mich herausgefordert und glücklich gemacht. Er war der ‘Gegner’ den ich brauche im Gespräch und der ideale Partner im Bett. 

Ich höre ein Räuspern. Darauf folgt: „Da ist ein Fehler im Text.“
„Wo?“ Ich frage mich, ob er zu viel Kontakt zu meiner Schwester hat, die Lektorin ist.
Mann im Ohr: „Da oben, wo steht, dass du nicht über ihn schreibst.“ 

Ich mag es nicht, wenn Männer mich kritisieren und recht haben damit. So war Jasper auch. Ich muss darüber nachdenken. Ich wollte Männer, die mir etwas bedeuten, nicht thematisieren. Es war ein Experiment und die Männer quasi meine Versuchskaninchen und welcher Mann möchte das schon sein für eine Frau? 

Mann im Ohr: „Du hast über Ben geschrieben und Ben…“
Ich: „Hat hier nichts mehr verloren.“
Mann im Ohr: „Ich mein ja nur. Da hast du den Grundsatz schon gebrochen, da kommt’s jetzt auch nicht mehr drauf an.“ 

Der kleine Mann hat mich neulich gefragt, was Liebe ist. Ich hatte angefangen, darüber zu schreiben und dann kam etwas dazwischen. Liebe.

Mann im Ohr: „Es war kein Fehler. Du hast ihn angesehen und dein Herz ist aufgegangen. Hier oben war alles rosa und wolkig und schön.“ 

Aber bei seiner Frau ist wahrscheinlich alles grau und trüb gewesen im Kopf. Nachdem sie von uns wusste.

Mann im Ohr: „Du kannst nicht die Welt retten. Du kannst nicht die Verantwortung für die Untreue anderer übernehmen. Und du kannst nicht erwarten, in deinem Alter noch jemanden kennenzulernen ohne Altlasten. Er ist unglücklich verheiratet, so what?“

Ich mag dieses Deutsch-Englisch-Mischmasch nicht. Aber Männern etwas abgewöhnen sollte man gar nicht versuchen. Erst recht nicht, wenn sie bei einem wohnen und eine Trennung keine Option ist.

Ich: „Ich kaufe keine Wegwerf-To-Go-Becher, weil ich meinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten will. Ich kaufe Bio-Heu-Milch von Almkühen für den dreifachen Preis, damit ich die Guten unterstütze; die, die Vorbilder sind und nicht achtlos mit anderen umgehen. Ich habe eine Katze mit der Flasche großgezogen, obwohl sie ein kleines Miststück war und ich heute noch ein Stück ihrer Kralle in meinem linken Oberschenkel habe.“
Mann im Ohr: „Eben.“
Ich: „Was ist denn das für eine Argumentation. So wenig stringent bist du doch nicht.“
Mann im Ohr: „Du hast schon so viel Gutes getan, da hast du quasi was gut.“

Ich habe meinen Kopf ausgeschaltet. Hätte ich das nicht, wäre nie etwas aus uns geworden. Darf man das? Die Verantwortung so auf den anderen abwälzen? Ach was, ein schlechtes Gewissen hilft jetzt auch nichts und eigentlich gefällt mir die Argumentation. Ich werde noch viel mehr darauf achten, keine Wegwerfbecher zu benutzen und weiter meine kleine, nachhaltige Möhre fahren.

Ich: „Dein Wort in Gottes Ohr.“
Mann im Ohr: „Jetzt nimmst du dich ein kleines bisschen zu wichtig.“