Wenn ich nichts hätte…

…außer meinen Nachbarn, was wäre dann?

Ich muss an Guiseppe denken und daran, dass er gesagt hat, ich hätte nichts außer meinen Nachbarn. Das liegt nicht etwa daran, dass Guiseppe grundsätzlich in meinem Kopf herumspukt. Ich habe in der ‘Zeit’ vom 1. Dezember einen Artikel über Nachbarn gelesen. Im Wissensteil. Es geht um unser Verhältnis zu Nachbarn und die Bedeutung von guten oder eben weniger guten Nachbarverhältnissen für die Gesellschaft.

Auf ein Räuspern folgt ein verwirrt klingendes: „2016?“
Ich: „Was meinst Du?“
Mein Mann im Ohr erklärt sich: „1. Dezember 2016?“
Ich: „Natürlich. Was sonst?“
Mann im Ohr: „Wir schreiben heute den 06. August 2017.“
Ich: „Ich bin manchmal etwas hinterher.“
Mann im Ohr: „Ich mein ja nur. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.“

Ich sammle interessant klingende Artikel in einem Korb in meinem Wohnzimmer und schau dann rein, wenn ich in Ruhe Zeit habe. Das dauert schon mal ein wenig.

Ich glaube, für die Bedeutung von Nachbarn in unserem Leben spielt die Kindheit eine Rolle.

Mann im Ohr: „Im Ernst? Ich dachte, Du gehörst nicht zu denen, die alles mit einer schlimmen Kindheit begründen.“
Ich: „Tu ich auch nicht. Man trägt selbst viel Verantwortung, man sollte damit nichts entschuldigen. Aber prägen tut sie uns doch. Erinner dich nur an Herrn Küster.“
Mann im Ohr: „Opa Küster?“

Genau der. Ich war ungefähr zwei Jahre alt und wir haben in einer Doppelhaushälfte in einer ruhigen Stichstraße gewohnt. Opa Küster wohnte nebenan und hatte damals selbst noch keine Enkelkinder. Ich hatte sehr schnell raus, dass ich mich nur mit großen Kulleraugen an den Zaun stellen muss, wenn er im Garten ist. Dann gab es Süßigkeiten. Am liebsten mochte ich Duplos. Richtig – also in ganzen Sätzen – sprechen konnte ich noch nicht. Aber wenn ich „Küster Duplo“ gesagt habe, gab es exakt was ich wollte. Meine Mutter schämt sich heute noch für ihr ungezogenes Bettelkind. Damals wurde mir klar, dass Nachbarn etwas großartiges sind. Und das ging so weiter.

Meine erste eigene Wohnung war im Dachgeschoss eines Hauses, in dem unten die Vermieter wohnten. Auf den beiden Etagen dazwischen wohnten nette Leute, zu denen ich nicht viel Kontakt hatte. Aber wenn, war er herzlich. Zu Nikolaus war das ganze Treppenhaus mit Schokonikoläusen dekoriert. Als mal durch ein Malheur die Miete nicht rechtzeitig überwiesen war und ich mit Schamesröte im Gesicht bei meinen Vermietern geklingelt habe, bin ich auf ein Glas Rotwein und Pasta eingeladen worden. Mit unseren Nachbarn in Bonn haben Ben und ich großartige Parties gefeiert. Wir durften ihren Kicker mitbenutzen. Das Haus war so hellhörig, dass jeder im Haus von jedem wusste, welche Geräusche er beim Sex macht. Wir haben jeden Streit zwischen unserem Lieblingsnachbarn und seinen beiden Freundinnen gehört. Manchmal wär ich gern hochgegangen und hätte eine Paarberatung angeboten. Hannes hat unser Auto geliehen und dafür den Garten versorgt, wenn wir in Urlaub waren. Er hat mich aus dem Krankenhaus abgeholt nach einer OP, weil Ben arbeiten musste.

Mann im Ohr: „Aber das sind alles nicht die Nachbarn, von denen Guiseppe gesprochen hat.“
Ich: „Stimmt. Aber auch mit denen hatte ich großes Glück.“

Ich war gestern mit ehemaligen Nachbarn essen und habe vorgestern mit Nachbarn gekocht und ewig geredet. Sie wissen mehr von mir als die meisten Menschen. Das liegt nicht nur daran, dass wir uns gut verstehen und über vieles reden. Man bekommt gezwungenermaßen viel mit von den Menschen nebenan. Ob meine Wohnung aufgeräumt oder unaufgeräumt ist, wann ich nach Hause komme, wer mich nach Hause bringt, ob meine Blumen vertrocknen oder Läuse haben, ob ich jemanden brauche, der sich um meine Blumen kümmert, welche Fotos an den Wänden hängen, ob mein Auto auf dem Stellplatz steht, all das sagt viel über mich.

Wir können vielen Menschen viel vormachen. Ausreden erfinden, Lügen erzählen oder Halbwahrheiten. Vor kaum jemandem ist es so schwierig, die Wahrheit zu verbergen, wie vor Nachbarn. Jedenfalls dann, wenn man auf engem Raum wohnt. Mein ehemaliger Nachbar Jasper hat unter mir gewohnt. Er und seine Frau wussten, wann ich zuhause war und wann nicht, weil die Trittschalldämmung optimierungswürdig ist. Sie wussten, ob ich alleine bin oder nicht. Und dass ich immer, wenn ich in meiner Wohnung den Flur auf und ab laufe, ein längeres Telefonat führe. Sie wussten, wann meine Waschmaschine läuft. Und wenn ich zuhause war und mich stundenlang nicht bewegt habe in meiner Wohnung, haben sie gefragt, ob alles in Ordnung ist.

Natürlich gibt es auch die ‘Man kennt sich, man grüßt sich, das war´s’-Nachbarn. Aber ich habe seit Opa Küster immer Nachbarn gehabt, zu denen die Beziehung viel enger war. Ich kenne das nicht anders. Man gießt die Blumen des anderen, füttert seine Katze, passt im Notfall auf die Kinder auf und bringt Kuchen vorbei, wenn man gebacken hat. Man kocht und redet und trinkt Wein zusammen, man achtet aufeinander.

Mann im Ohr: „Du bist eine Spießerin. Du wärst in 50ern gut aufgehoben gewesen.“  
Ich: „Meinst Du? Bin ich nicht zu rebellisch für die 50er?“
Mann im Ohr: „Was wär nun, wenn Du sonst niemanden hättest?“

Ich denke eine Weile nach. Schön wäre das nicht. Ich würde viele Menschen vermissen. Aber ich hätte Freunde. Gute Freunde. Menschen, die mich zum lachen bringen und auf die ich mich verlassen kann. Es wäre vielleicht irgendwann langweilig, aber es ginge mir immer noch gut.

Mann im Ohr: „Aber nicht alle haben solche Nachbarn. Das stand in dem Artikel. Da stand, es geht uns heute zu gut für gute Nachbarschaft.“
Ich: „Stimmt. Das stand da.“
Mann im Ohr: „Warum?“
Ich: „Wahrscheinlich, weil man früher weniger hatte. Man war stärker auf Unterstützung angewiesen. Und deswegen vielleicht eher bereit, Zweckgemeinschaften einzugehen. Aber so ganz nachvollziehen kann ich die Aussage nicht. Uns geht es hier gut. Sehr gut sogar. Aber mit guten Nachbarn ist es doch schöner.“
Mann im Ohr: „Vielleicht ist das Duplo von damals ja die Flasche Rotwein von heute.“

Fake it …

… til when?

Faken scheint das Motto unserer Zeit zu sein. Mir gefällt das nicht. Weder habe ich etwas für Fake News übrig, noch für Krägelchen oder Monster-Push-Ups.

Ich höre ein Räuspern in meiner Ohrmuschel. „Was zum Teufel sind Krägelchen?“
Vielleicht tu ich ihm unrecht, aber mein Bauch sagt mir, dass der kleine Mann seinen Mittagsschlaf nicht wegen der Krägelchen unterbrochen hat.
Ich: „Diese Dinger, die ich als Kind tragen musste. Die gibt es wieder.“
Mann im Ohr: „Die, die Du nicht selbst anziehen konntest? Bei denen Dir die Sportlehrerin helfen musste?“
Ich: „Genau die. Diese komischen Dinger, die vorgeben, eine Bluse zu sein.“
Mann im Ohr: „Aber nicht mal bis zum Bauchnabel gehen.“

Ich musste sowas als Kind tragen. Es sah dann immer aus, als hätte man ein hübsches Blüschen unter dem Pulli, aber eigentlich war es nur der Kragen einer Bluse mit Schlupflöchern für die Arme. So was habe ich neulich in der Damenabteilung eines Kaufhauses gesehen.

Mann im Ohr: „Aber Tittenbescheißer finde ich gut.“

Mein Bauch hat mich nicht getäuscht. Aber das Vokabular überrascht mich doch.

Ich: „Was bitte?“
Mann im Ohr: „Tit…“
Ich: „Ich bin nicht taub. Woher hast Du solche Wörter?!“
Mann im Ohr: „Hat irgendwer irgendwann mal gesagt.“
Ich: „Mmh. Warum findest Du die gut?“
Mann im 
Ohr: „Na ja, sieht dann halt…“
Ich: „…besser aus?“

Der kleine Mann weiß, wie alle Männer, wann das Eis wirklich dünn wird.

Mann im Ohr: „Runder.“

Und wie man sich geschickt aus der Affäre zieht.

Mann im Ohr: „Also es ist eine insgesamt rundere Sache dann. Die Erscheinung. Das Gesamtbild.“
Ich: „Angezogen?“

Ich höre ein leises, sehr langgezogenes, etwas fragendes „Jaaaaa.“

Ich: „Und wenn man ihn auszieht?“

Ich bekomme keine Antwort und kann förmlich hören, wie er fieberhaft denkt.

Mann im Ohr: „Dann ist das Bild weniger rund.“
Ich: „Warum sollte ich vorgeben, dass ich mehr habe und im entscheidenden Moment riskieren, dass der Mann enttäuscht ist?“
Mann im Ohr: „Weil Du Angst hast, dass Du ihm sonst vorher schon nicht gefällst?“
Ich: „Was ist denn schlimmer? Von Anfang an nicht gefallen und ihn abhaken oder ihn kennenlernen, toll finden und im Bett merken, dass ihm meine Brüste zu klein sind?“
Mann im Ohr: „Wenn Du so fragst…letzteres.“
Ich: „Dann zurück zu meiner Frage: warum sollte ich?“
Mann im Ohr: „Weil alle es tun?“

Ich schweige. Wir wissen beide, wie ich zu diesem Argument stehe.

Mann im Ohr: „Oder, weil es in Deiner Größe gar keine Nicht-Fake-BHs gibt. Was unter anderem ein Grund dafür sein könnte, dass alle es tun. Vielleicht haben sie auch einfach keine Wahl.“
Ich: „Ganz genau. Die Dessous-Industrie scheint zu glauben, dass Frauen mit meinen Maßen zwingend faken wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum es sämtliche ungepolsterten Varianten in meiner Größe nicht gibt. Und je älter ich werde, desto moderner werden diese Monster-Push-Ups, bei denen das Volumen des Füllmaterials das Brustvolumen übersteigt. Mehr Fake als Realität, das muss doch nicht sein!“

Ich versuche seit Ewigkeiten, schöne, ungepolsterte BHs zu finden. Das war früher kein Problem. Ich habe noch ein Relikt aus alten Zeiten, einen wunderschönen Spitzen-BH von Calvin Klein, der relativ durchsichtig und sehr sexy ist und kein bisschen schummelt. Leider sind die dazu früher mal passenden Höschen schon lange kaputt und die Farbe ist ein Meergrün, so dass ich nie farblich passenden Ersatz gefunden habe. Ich trauere diesen Zeiten nach und beneide jede Frau, die ‘normale’ Wäsche tragen kann.

Mann im Ohr: „Du könntest Dir die Brüste machen lassen.“
Ich: „Ich soll mit Fake-Brüsten rumlaufen, damit ich keine Fake-BHs mehr tragen muss?!“

Ich höre ein kleinlautes „Meine Argumentation war schon mal besser.“ und dann ist es still.

Ich erinnere mich an eine Anprobe von Victoria´s Secret Wäsche. Es handelte sich um einen Push-Up-BH und so ein Shapewear-Unterkleid. Beides in Kombination ließ mich aussehen, als hätte ich ein DD-Körbchen. Und eine noch schlankere Taille, obwohl ich mich damit ohnehin nicht verstecken muss. Ich war so geflasht von meinem Anblick im Spiegel, dass ich gern auf der Stelle mit mir geschlafen hätte.

Es kichert deutlich zwischen meinen Ohren. „Du bist nicht wieder rausgekommen ohne Hilfe. Die Krägelchen konntest Du nicht allein anziehen und aus diesen Dingern kommst Du nicht alleine raus.“ 
Ich: „Stimmt. Und selbst mit Hilfe hat es ewig gedauert. Im Ernst, die Geduld hätte kein Mann. Jedenfalls nicht, wenn er einen so heiß findet, wie ich mich damals selbst.“

Ich frage mich, wozu Frauen so was tragen. Irgendwer kauft das Zeug ja. Vor dem eigenen Mann braucht man so ein Theater nicht zu machen, der kennt einen ja und fänd das Rumgezerre hinterher beim Ausziehen doch sicher nur nervig.

Für Dates wäre es extrem kontraproduktiv. Es gibt in dem Fall ja kein ‘til you make it’. Irgendwann schlägt die Stunde der Wahrheit.

Gott und die Welt

Wenn ich gefragt werde, worüber ich blogge, sage ich meist irgendetwas, das ‘Gott und die Welt’ enthält. Diese Woche ist mir klargeworden, dass das nicht stimmt. Und dass kein Zeitpunkt so gut passt, Gott hier zu thematisieren, wie diese Woche.

Ich höre ein empörtes „Über Politik willst Du nicht schreiben, damit Dir das nicht irgendwann zum Verhängnis wird. Meinst Du nicht, Religion ist da bei weitem gefährlicher?“.

Ist mir egal. Ich hatte diese Woche gleich zwei Streitgespräche zum Thema Religion. Beide mit relativ viel älteren, männlichen Atheisten. Ich bin mir nicht sicher, ob das mit dem Alter und dem Geschlecht eine Rolle spielt.

„Klar tut es das. Du ziehst in letzter Zeit diesen Typ Mann magisch an. Männlich, alt, erfolgreich, besserwisserisch. Die fahren total ab auf so ein Mäuschen, dem sie die Welt erklären können.“ höre ich zwischen meinen Ohren.

Das eine war kein richtiger Streit. Ich habe zu Paul, dem Pessimisten, gesagt, er solle doch mal ein bisschen Gottvertrauen haben. Und dann hat er mir erklärt, das sei ein ganz schlechtes Thema, er sei ungläubig und wenn das bei mir anders sei, sollten wir lieber über andere Dinge sprechen. Ich habe dann noch ein paar Fragen gestellt, kritische Antworten erhalten und das Gespräch verlief schließlich ganz entspannt weiter.

Mit Johann sah das schon anders aus. Er hat mich in ziemlich aggressivem Ton gefragt, wie mein erstes Gebot laute.

„Du solltest Deinen Lesern vielleicht noch mitteilen, dass Du Katholikin bist. Keine gute, denn Du gehst viel zu selten in die Messe und warst skandalös lange nicht bei der Beichte, obwohl mir da so einiges einfallen würde…“ brummt es.

Jedenfalls wusste ich aus Johanns Vorrede schon, worauf er hinauswollte und habe mich gefragt, ob das sein Ernst ist, dass er jetzt schullehrerhaft die zehn Gebote abfragt. Er hat sich seine Frage zum Glück selbst beantwortet: ‘Du sollst keine anderen Götter haben neben mir’. Dieser Satz ist in seinen Augen verantwortlich für alles Übel dieser Welt. Er hat mir erklärt, dass alle, die Juden, Muslime und die Christen wegen dieses Gebots für das Schlechte in der Welt verantwortlich seinen. Weil wir ständig missionieren wollten. Der ganze Terror käme nur daher.
Johann behauptet von sich selbst, wenig emphatisch zu sein.

Mann im Ohr: „Er ist nicht nur wenig emphatisch, ich finde ihn auch dumm.“
Ich: „Wieso dumm? Dann wäre er nicht so erfolgreich.“
Mann im Ohr: „Dummheit und monetärer Erfolg schließen sich nicht aus. Man sagt doch, dass die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben?“
Ich: „So weit würde ich jetzt nicht gehen. Aber sonderlich argumentationsstark ist er nicht. Er ist es eben gewöhnt, dass Leute ihm glauben, weil er Chef ist. Wer Macht hat, braucht keine guten Argumente.“

Meinen Hinweis auf das fünfte Gebot ‘Du sollst nicht töten’ hat er weggewischt mit dem Satz „Ihr haltet Euch ja alle nicht dran, da muss man nur die Realität betrachten!“.
Ich habe es noch versucht mit ‘Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen’ und dass eine Tötung in seinem Namen immer ein Verstoß gegen Gebot Nummer zwei sei. Auch das kam nicht an. Es folgte noch einiges à la „Ein intelligenter Mensch kann doch nicht an etwas glauben, dessen Existenz nicht bewiesen ist.“ und der Hinweis, dass er nicht gegen den Glauben an sich sei, sondern nur gegen meine Institution Kirche, und dass von der nun mal alles Übel ausgehe. Dass der Terror dieser Welt nur möglich sei, weil Leute gläubig seien und versuchen würden, andere zu missionieren.

Jemand meldet sich. „Das meinte ich mit dumm! Wenn jemand tatsächlich den Glauben verantwortlich macht für Dinge wie Selbstmordanschläge, dann müsste er konsequenterweise den Glauben verteufeln und nicht nur die Institution Kirche, richtig?“
Ich: „Richtig. Es sei denn, er heißt Selbstmordanschläge gut.“
Mann im Ohr: „Dann müsste er sich aber nicht über den Terror beklagen.“

Alles Positive wurde vom Tisch gewischt. Im Christentum solle man nur seinen nächsten Christen lieben, nicht jeden Nächsten. Das hat Johann ernsthaft so gesagt. Obwohl es heißt ‘Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst’ und nicht ‘Liebe Deinen Glaubensbruder wie Dich selbst’. Da ist nicht viel Raum für Interpretation.

Mann im Ohr: „Johann war Dein Nächster in dem Moment. Hast Du Dich dran gehalten?“
Ich: „Du bist gemein. Auf wessen Seite stehst Du 
eigentlich?“

Dass das Judentum keine missionierende Religion ist, habe ich runtergeschluckt und stattdessen gesagt, dass ich jetzt lieber gehe. Was kommentiert wurde mit „Das ist ja ein tolles Beispiel für Toleranz und Nächstenliebe.“.
Eigentlich hatte ich versprochen, während seiner Dienstreise die Blumen zu gießen.

„In Sachen Nächstenliebe ist bei Dir noch Luft nach oben. Ist doch gut, da hast Du ein Entwicklungsfeld. Und das mit der rechten Wange hast Du auch noch nicht verinnerlicht.“

Nur weil ich katholisch bin, lasse ich mich noch lange nicht beschimpfen. Ich habe in meinem Leben nie versucht, irgendwen zu missionieren. Ich bin in vielen Dingen sehr tolerant und mit mancherlei Engstirnigkeit meiner Kirche nicht glücklich. Ich kann meinem Glauben mehr Gutes als Schlechtes abgewinnen. Ich stehe hinter den Werten meiner Kirche, auch wenn ich mir mehr Toleranz gegenüber Schwulen und eine Aufhebung des Zölibats wünschen würde.
Meine gesamte Familie ist katholisch und es sind beinah alle Ausprägungen vorhanden: die strenge Rosenkranzbeterin ebenso wie die zwar getaufte, aber Ungläubige. Und viele irgendwo in der Mitte dazwischen. Wir alle sind mit dem Glauben und Werten wie Toleranz und Nächstenliebe großgeworden.

Am deutlichsten wird das bei meiner Schwester Sophie. Ich bin unglaublich stolz auf sie, weil es ihr gelingt, Frieden zu stiften. Klingt geschwollen, stimmt aber.
Sie ist Grundschullehrerin in einem Problembezirk. In ihrer Klasse ist ein christliches Kind und viele muslimische aus unterschiedlichen muslimischen Strömungen. Ebenso atheistische Kinder. Keines ist katholisch. Sophie hat katholische Religion studiert. Und vermittelt mit einer Hingabe zwischen den Glaubensrichtungen, wie ich es noch nie erlebt habe. Sie verbietet ihren Kindern, Fußball ‘Christen gegen Muslime’ zu spielen. Das war auf dem Mist von Erst- oder Zweitklässlern gewachsen. Sie hat das zum Anlass genommen, Konflikte zwischen den Religionen zu thematisieren. Sie hat ein Stoffschwein als Klassenschwein etabliert und mit allen Kindern erarbeitet, warum dieses Tier in manchen Kulturen als ‘unrein’ empfunden wird. Die muslimischen Kinder reißen sich um dieses Tier und kuscheln inzwischen mit ihm. Im letzten Ramadan hat sie einen ‘Ramadan-Kalender’ für die Kinder gestaltet. Er hatte die Form eines Kamels und enthielt für jeden Tag Schokolade und im Wechsel je einen Spruch aus dem Islam, dem Christen- und Judentum, der dann besprochen wurde. Sie hat mit ihren Kindern eine Moschee besucht, eine Kirche und eine Synagoge. Sie bringt ihnen bei, dass es Widersprüche zwischen und innerhalb der Religionen gibt. Dass man Widersprüche auch mal aushalten muss und sie Anlass zum Nachdenken und Reden sein sollten, aber niemals zu Gewalt. Ich glaube, dass sie mit ihren Gesprächen mit den Kindern mehr für den Weltfrieden tut als jeder Talkshowgast oder Politiker, der für Toleranz wirbt. Ihre Kinder gehen nach Hause und erzählen ihren Eltern und Freunden davon, was sie gelernt haben. Ich glaube, wenn jedes Kind eine solche Lehrerin hätte, bräuchten wir uns über Terror in der Zukunft wesentlich weniger Gedanken zu machen.

Ich finde, man muss Religion kritisch hinterfragen, egal welche. Und man darf über sie lachen. Sophie und ich haben uns den Bauch gehalten, als das atheistische Känguru von Marc-Uwe Kling uns erklärt hat, dass die Bibel als Schurkenroman zu lesen sei. Es findet, wenn Gott der Böse ist, ergibt alles plötzlich einen Sinn.

„Aber die, die gelungen die Religion auf die Schippe nehmen, haben sich meist auf sehr intelligente Art mit ihr auseinandergesetzt. Das war bei Johann nicht so.“

Was ich nicht leiden kann, ist, wenn meine Intelligenz in Frage gestellt wird, weil ich gläubig bin. Vor allem, wenn dieses Ist-doch-alles-nicht-bewiesen-Argument kommt. Wenn ich Beweise hätte, wäre glauben ja überflüssig.
Ich weiß im Übrigen ja auch nie, ob mein Partner treu ist. Beweisen kann ich Untreue, auf seine Treue muss ich vertrauen. Das tun viele, auch Atheisten. Und keiner käme auf die Idee, sie deswegen zu beschimpfen.

Mann im Ohr: „Könnte man sagen, dass Nichtwissen notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Glauben ist?“
Ich: „Wenn man ein Klugscheißer wäre und obendrein noch Jurist, würde man das wahrscheinlich so ausdrücken.“

Kleider machen Leute

So hieß auch schon mein letzter Post. Ich weiß das.

Gestern bin ich angesprochen worden. In der Sauna. Das ist ein Dauerthema bei mir. Als hätte ich ‘chronisch-untervögelt-ich-tus-egal-mit-wem’ auf der Stirn tätowiert.

Mann im Ohr: „Das ist totaler Blödsinn!“
Ich: „Warum sprechen die mich dann immer an? Die alten, dicken, hässlichen Männer mit Haaren auf dem Rücken? Mit diesem Ich-vernasch-dich-Süße-Blick?“
Mann im Ohr: „Deshalb jedenfalls nicht.“
Ich: „Woher weißt Du das?“
Mann im Ohr: „Keiner von denen hat je auf Deine Stirn geschaut.“

Marcus, das ist ein Stammkunde aus ‘meiner’ Sauna, meinte mal, ich sähe selbst nackt zugeknöpft aus. Das würde Männer eben reizen und ihren Ehrgeiz wecken. Eine andere Stammkundin wird regelmäßig angequatscht, weil sie offenherzig wirkt. Wie man´s macht macht man´s falsch.

Mann im Ohr: „Dieser Carsten war jung und trainiert und hatte am ganzen Körper kein Haar.“

Das erste Mal ist mir das vor acht Jahren passiert. Ich war mit Ben in den Thermen und habe meinen Ehering getragen. Ben war fast die ganze Zeit an meiner Seite. Fast. Dann bin ich für 10 Minuten alleine in den Eis-Salz-Aufguss. Ben mag keine Aufgüsse und auch nicht, wie da alle immer wie die Hühner auf der Stange sitzen. Da hat mich ein Typ gefragt, ob er mich mit Salz abreiben soll. Als ich barsch verneint habe, kam eine erneute Frage und später hat er Ben sehr böse angeschaut. Wohlgemerkt, der aufdringliche Kerl schien sauer auf Ben zu sein, nicht umgekehrt. Als hätte mein Mann ihm die Frau ausgespannt.

Vor drei Jahren hat mich Carsten in meiner Stammsauna angelächelt. Während er sich von einer anderen Frau den Rücken hat massieren lassen. Die, das stellte sich später heraus, war seine feste Freundin, die er für mich aber jederzeit verlassen hätte. So weit war er, nachdem er mir in die Umkleide gefolgt war und drei Sätze mit mir geredet hatte.

Mann im Ohr: „Soll Guiseppe noch mal behaupten, Du könntest Männer nicht binden.“
Ich: „Na ja, so was ist schnell gesagt, wenn man den anderen nicht näher kennt.“

Letztes Jahr ist Norbert auf der Bildfläche erschienen. Er hat mich nicht angesprochen oder angelächelt oder ich weiß nichts davon. Dafür schreibt er mir Liebesbriefchen, die er mir in meine Bücher oder unter mein Handtuch legt. Darin steht zum Beispiel „Interessantes Buch“ und „Danke für den schönen Ein- und Ausblick.“. Ich habe das der Geschäftsführung gemeldet, aber die weiß genauso wenig, wer Norbert ist, wie ich. Sie würden ihm Hausverbot erteilen, aber dafür müsste ich ihn identifizieren. Ich habe mit allen mir bekannten Stammkunden gesprochen, aber niemand kennt ihn. Sie halten die Augen offen, aber noch ist er nicht gefasst.

Den Mann, der mich für eine ukrainische Krankenschwester gehalten hat, zähle ich hier nicht mit. Denn das war keine dumme Anmache, sondern ein normales, nettes Gespräch, das sich zufällig in besagter Umgebung ergeben hat.

Bei meinen Vorerfahrungen war ich nicht sehr überrascht über Fabrice, der mir gestern meinen entspannten Nachmittag versaut hat. Ich war in einer Hotelsauna, weil ich grade auswärts arbeite. Nicht besonders schön oder luxuriös, aber immerhin eine kleine Sauna, eine kalte Dusche und eine Dachterrasse mit Blick über die Dächer des Gewerbegebiets. Es kann nicht immer romantisch sein.
Fabrice saß schon in der Sauna, als ich meinen zweiten Saunagang begonnen habe und hat mich nach etwa 10 Sekunden angesprochen. Ob ich Englisch spreche. Wie lange man in so einer Sauna bleiben dürfe. Was es mit den Sanduhren auf sich habe. Ob es ok sei, dass wir beide nackt seien, wo ich doch eine Frau sei. In Frankreich ginge das nicht, aber wir Deutschen würden ja anders ticken. Es war relativ klar, dass er das Gespräch nicht beenden wollte. Obwohl ich einsilbig und lediglich unterkühlt-höflich war, hat er mich zu sich nach Hause eingeladen. Nach Paris. Da war wohl wieder meine zugeknöpfte Art Schuld. Ich bin dann gegangen. Es war sonst niemand da und man weiß ja nie. In ‘meiner’ Sauna, wo immer ein Saunameister und Leute, die mich kennen, in der Nähe sind, ist angesprochen werden schlimmstenfalls lästig und manchmal sogar amüsant. Aber so ganz alleine mit Fabrice kam plötzlich der kleine Schisser in mir durch.

Ich: „Ich frage mich, wie Männer das hinbekommen. Immer den richtigen Zeitpunkt abzupassen und sofort in die Vollen zu gehen. Wo nehmen die das Selbstbewusstsein her? Und warum sind die alten Männer immer besonders dreist?“
Mann im Ohr: „Es gibt auch Frauen, die das hinbekommen.“
Ich: „Mmh.“
Mann im Ohr: „Überleg mal, wie viele Männer Dich nicht angesprochen haben. Das sind viel mehr.“
Ich: „Du meinst, da sind überwiegend Gentlemen unterwegs?“
Mann im Ohr: „Genau. Du nimmst die unangenehmen Typen nur eher wahr.“
Ich: „Das Thema hatten wir schon mal. Das war die Barack-Donald-Sache.“

Kleider machen Leute

Ich bin vor ein paar Wochen für eine ukrainische Krankenschwester gehalten worden. Seitdem frage ich mich, ob das nun gut oder schlecht ist, ob ich das überhaupt werten sollte und was das über mich aussagt. Der Mann, der sich verschätzt hat, hat das damit begründet, dass ich hübsch sei. Was aber kaum der alleinige Grund sein kann. Schließlich gibt es auch hübsche Italienerinnen oder Schwedinnen.

Mann im Ohr: „Hättest Du was angehabt, wär das nicht passiert.“

Da hat er wahrscheinlich recht. Mein Kleidungsstil in Kombination mit Accessoires wie Laptoptasche und Schlaubi-Brille würden niemanden vermuten lassen, dass ich Krankenschwester bin.

Mann im Ohr: „Und wenn Du den Mund aufgemacht hättest, wäre er auch nicht auf so eine absurde Idee gekommen.“
Ich: „Warum nicht?“
Mann im Ohr: „Du bist zu klugscheißerisch für ne Schwester.“

Ich war nackt oder hatte ein Handtuch um, so genau kann ich das nicht mehr sagen. Er hat mich jedenfalls in der Sauna gesehen und da trage ich nie mehr als ein Handtuch und selten Brille.

Bemerkenswert ist, dass Männer enttäuscht sind, wenn sich eine vermeintliche Krankenschwester als Juristin entpuppt. Und osteuropäische Frauen scheinbar eine signifikant größere Faszination ausüben als deutsche.

Mann im Ohr: „Ist doch klar.“
Ich: „Wieso? Was ist an mir auszusetzen?“
Mann im Ohr: „Bei einer Krankenschwester phantasieren wir über zu kurze weiße Kittel und wie sie sich über uns beugt, während wir im Bett liegen. Wie sie uns wäscht…“
Ich: „Aufhören!“

Ich kann einen Mann auch ganz hervorragend pflegen und verwöhnen und überhaupt.

Mann im Ohr: „Bei einer Juristin sehen wir eine bebrillte, strenge, verklemmte Frau vor uns, die uns eine Moralpredigt hält, sobald wir was Verbotenes tun.“
Ich: „Obwohl ihr Verbotenes am liebsten tut.“
Mann im Ohr: „Bingo.“
Ich: „Und die Ukrainerin? Warum ist die doller als ich?“
Mann im Ohr: „Wir glauben, dass osteuropäische Frauen gehorsamer sind. Unterwürfiger. Wer sich eine ukrainische Krankenschwester vorstellt, will bedient und verwöhnt und geliebt werden.“
Ich: „Und wer auf den Typ deutsche Anwältin steht, ist devot?“
Mann im Ohr: „Es geht in die Richtung.“

Ich muss an meine Nachbarin denken. Die hat eine Freundin, die Unternehmensberaterin ist. Und sich bei Dates immer als Kinderkrankenschwester ausgibt.

Mann im Ohr: „Das ist viel weniger furchteinflößend, weißt Du?“

Ich denke darüber nach, mir eine neue Garderobe zuzulegen. Offenherziger und bunter. Und einen Akzent kann man sich ja auch antrainieren.

Andererseits – vielleicht gibt es ja doch nette Männer, die mich anziehend finden als kleine Klugscheißerin?

Der perfekte Mann

Ich habe vor einiger Zeit einen Mann kennengelernt, an dem ich eigentlich nichts hätte auszusetzen haben dürfen. Ich frage mich, ob das grammatikalisch so einwandfrei ist.

Mann im Ohr: „Es klingt gestelzt. Nach Stock im …“

Eigentlich.

Er hätte genau das richtige Alter für mich. Er ist nett und sieht gut aus. Er fand mich toll und wollte mich unbedingt so oft wie möglich sehen. Er ist, ohne zum meckern, 200 Kilometer gefahren, nur um mich zum Abendessen zu treffen und hinterher wieder nach Hause. Also 400 Kilometer für ein Abendessen mit mir. Ohne Dessert.

Mann im Ohr: „Allein das spricht dafür, dass etwas mit ihm nicht stimmt.“

Er hat einen Beruf, den er liebt und in dem er erfolgreich ist. Dabei ist er kein Workaholic. Seine Freizeit ist ihm genauso wichtig wie sein Job. Er fährt ein schickes, aber nicht zu teures Auto. Es zeigt, dass er sich etwas leisten kann, ohne prollig zu wirken. Er ist schlank und sportlich, aber nicht übertrainiert. Er liebt Tiere und Kinder und ist ausschließlich an einer festen Beziehung interessiert. Dass er für langfristige Bindungen zu haben ist, hat er schon in einer ziemlich langen Beziehung unter Beweis gestellt. Die Trennung ist lang genug her, um darüber hinweg zu sein und nicht nur ein Trostpflaster zu suchen. Er hat mir täglich geschrieben, wie toll er mich findet. Er hat einen Hund und liebt Kinder. Er trinkt gern guten Wein, aber nicht zu viel. Er liebt gutes Essen. Wie ich. Und schönes Wohnen. Er kauft stilvolle Möbel. Er fährt gern ans Meer und würde mich noch lieber einpacken und mitnehmen.

Mann im Ohr: „Komm mal zum Punkt.“
Ich: „Stimmt doch alles!“
Mann im Ohr: „Er hat dich gelangweilt.“ 

Zu Tode. Wenn ich ihm was erzählt habe, hat er zugestimmt. Wenn er mir was erzählt und ich ihm widersprochen habe, hat er seine Meinung revidiert oder mir erklärt, ich hätte ihn missverstanden und selbstverständlich recht. Er hat oft „Interessant.“ oder „Beeindruckend.“ und „Das sehe ich genauso.“ gesagt. Er hat gefragt, was ich machen möchte und woran ich Spaß habe, weil ihm egal war, was wir machen, solange er mich nur sehen konnte. Das hat er mir genau so gesagt.

„Ich hätte doch glücklich sein müssen?“ Ich denke laut.
Mann im Ohr: „Nein.“
Ich: „Warum nicht? Viele Frauen würden sich einen Arm abhacken für so einen.“
Mann im Ohr: „Du bist ein Wüterich. Schon vergessen?“
Ich: „Konsens macht mich also fertig?“

Mann im Ohr: „Das stimmt so nicht.“

Das ist mein Satz. Ich sage nie „Das stimmt nicht.“. Na ja, sehr selten. Sondern immer „Das stimmt so nicht.“. Mit Betonung auf dem so. Typisch Jurist. Zugeständnis an die Gegenseite bei gleichzeitigem Widerspruch.

Mann im Ohr: „Du liebst Konsens. Aber nur, wenn dem Konsens eine heftige Diskussion vorausgegangen ist.“

Ich denke ein Weilchen darüber nach. Scharfe Argumentation träfe es eher.

Ich: „Ich liebe es Recht zu haben, das habe ich ja quasi studiert. Aber meine Beute darf nicht schon tot sein. Ich muss sie zuerst jagen und erlegen. Macht doch keinen Spaß sonst.“
Mann im Ohr: „Verstehst Du jetzt endlich, wie Männer ticken?“

Die Sache mit dem Positivismus

Eigentlich hat Positivismus etwas mit Erkenntnistheorie zu tun. Aber das will hier sicher keiner lesen. Ich habe den Begriff einfach mal zweckentfremdet.

Am Wochenende habe ich der Selbstbeschreibung eines Herrn gelauscht, die merkwürdige Erinnerungen wachgerufen hat. Daraufhin habe ich ältere Nachrichten durchforstet und bin auf immer wieder gleiche Sätze und Fragen gestoßen.

Die Beschreibung seines Selbst lautete:

„Ich bin ein sehr positiver Mensch, optimistisch und lebensfroh und es macht mir Freude (…). Es fällt mir leicht, das Positive in Dingen zu sehen.“

Dazwischen kamen noch allerhand positive Dinge, die aber nicht mehr Aussagekraft als die wiedergegebenen Worte hatten, so dass auf die Doppelungen getrost verzichtet werden kann.

Meine Tinder-Nachrichten und auch mein iMessage sind voll von Nachrichten in dieser Art. Egal, auf welchem weg ich Männer kennengelernt habe, es gibt diesen Typ Mann, für den der Positivismus der potentiellen Lebenspartnerin genauso unentbehrlich zu sein scheint wie der eigene.

Ich frage mich, was das für Menschen sind, die sich selbst als positiv beschreiben, ohne dabei irgendetwas über sich zu sagen. Und warum sagen die das? Meinen sie, das käme gut an beim Gegenüber?

Dann gibt es noch die, die stattdessen fragen „Bist Du ein positiver Mensch?“. Da frage ich mich jedes Mal, was ich antworten soll.
Dass ich eine leidenschaftliche Pessimistin bin? Ich abends gern in mein Kissen weine? Eine Knirschschiene trage, weil mein geballter Frust meine Kiefergelenke nachts mahlen lässt? Ich positiv sein muss, weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass mein Gegenüber mir im Laufe des Gesprächs noch interessantere oder gar sinnvolle Fragen stellen wird? Dass er als Positivist doch einfach mal positiv sein und annehmen könne, ich sei es. Es sei denn natürlich, er sei auf der Suche nach einem Gegensatz.

Was zum Teufel soll das sein, ein positiver Mensch?

„Donald Trump ist positiv.“ murmelt es leise.
Ich: „Wie bitte?“
Mann im Ohr: „Er hat immer daran geglaubt, einmal der mächtigste Mann der Welt zu werden. Unerschütterlich.“
Ich: „Obwohl er hässlich ist.“
Mann im Ohr: „Obwohl er über den Wortschatz eines Achtjährigen verfügt.“
Ich: „Obwohl er von Politik keine Ahnung hatte.“
Mann im Ohr: „Hat.“

Da ist was dran. Positiv ist nicht gleich nett. Allerdings hat die Aussage eine ähnliche Wirkung auf mich. Wenn jemand mir sagt, er sei nett, frage ich mich unwillkürlich, warum er es nötig hat, das zu sagen. Wenn jemand sich selbst als ehrlich deklariert, ist er in der Regel Gebrauchtwagenhändler oder Versicherungsmakler. Jedenfalls war das in meinem Leben bisher so. Die treuen Männer und Frauen haben niemals gesagt, sie seien treu. Sie waren es einfach. Die Witzigen erzählen Dinge, die mich zum Lachen bringen, aber nicht, dass sie humorvoll sind.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Mann in meinem Bauch sich sofort rührt bei solchen Aussagen. Ich frage mich dann zum Beispiel, ob derjenige eine schwere Depression hinter sich hat und deswegen mantraartig wiederholt, er sei positiv. Als sich selbst erfüllende Prophezeiung gewissermaßen. Oder ob er meine Ausstrahlung für so negativ hält, dass er zur Sicherheit erst mal fragt, ob ich nicht doch vielleicht positiv bin.
Wobei – wenn ich jemanden auf Grund seines Verhaltens für ein Arschloch halte, frage ich ja auch nicht „Bist Du eigentlich nett?“, sondern hake ihn einfach ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass man da eine ehrliche Antwort bekommt, ist einfach nicht besonders hoch.

Es kichert leise und dann folgt mit spitzem Unterton ein „Bist Du negativ!“.

Ich würde auf ein „Ich bin ein positiver Mensch“ gern mal zurückfragen „Woran machst Du das fest?“ oder „Aufgrund welcher konkreten Beobachtungen würde ein pessimistischer Dritter wohl über Dich sagen, dass Du positiv bist?“ oder „Bist Du ausnahmslos positiv? (Wie langweilig!)“ oder „Wenn Du eine Skala von 1-10 hättest, wobei 10 für sehr wahrscheinlich und 1 für sehr unwahrscheinlich stünde, welchen Wert würdest Du der Aussage, dass eine positive Lebenseinstellung eher bei weniger intelligenten Menschen vorkommt, zuordnen?“.

Die Sache mit der Zensur

Jemand, der sich Benny nennt, hat meinen Post über Benny und Patrick kommentiert. Nun weiß ich nicht, ob Benny auch Benny ist oder ob Benny jemand ist, der glaubt, er sei Benny. Ich schreibe ja nur über Dinge, die wirklich passiert sind. Aber ich verändere die Namen und manchmal auch die Umgebung oder die zeitliche Abfolge. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen will ich niemanden bloßstellen. Zum anderen passen manche Dinge, die heute passieren, in ein paar Monaten irgendwie besser. Weil ich dann erst einen Aufhänger habe. Ich habe Bennys Kommentar freigegeben. So wie jeden anderen auch. Viele waren es ohnehin nicht. Bis auf einen.

Guiseppe hat meinen Post ‘Zu nett ist auch nichts’ kommentiert und ich habe den Kommentar kommentarlos gelöscht.

Jemand kommentiert: „Im Ernst? Kommentiert, Kommentar und kommentarlos in einem Satz?“

Ich habe viel nachgedacht über die Bloggerei in letzter Zeit. Darüber, ob es klug ist, gewisse Dinge zu schreiben. Und dann habe ich tolle Ideen verworfen, weil unter Umständen jemand etwas denken könnte, von dem ich nicht will, dass er es denkt. Ich habe einen genialen Post geschrieben, zu dem mich der Songtitel „Horny“ von Cee-Lo Green inspiriert hat. Und nicht veröffentlicht. Obwohl es darin weniger um unanständige Dinge geht als darum, dass ich manchmal einfach nicht den Mund halten kann. Es gibt da nämlich diese Stelle „Oh I love that mouth (…) and what comes out“. Dann habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der findet, ich solle mich nicht selbst zensieren. Dann hätte das ganze Projekt keinen Sinn mehr. Und mit meinem Vater, der findet, ich solle das hier alles löschen. A L L E S. Oder über andere Dinge schreiben. Aber worüber? Diese Koch- oder Mode-Blogs nerven mich kolossal, Politik ist mir zu heikel, mein grüner Daumen und die wundersame Orchideen- und Oleandervermehrung, die ich ihm zu verdanken habe, interessiert keine Sau und sonst fällt mir nichts ein. Mein Vater fänd Politik gut. Weil wir darüber viel und oft diskutieren. Hat aber dann doch eingesehen, dass es keine gute Idee ist. Falls ich dann doch Bundespräsidentin werden will oder so.

Durch das viele Nachdenken über Selbstzensur und Bennys Kommentar musste ich an die Zensur meiner Leser denken und dass ich eigentlich für Offenheit bin. Ich mag es nicht, wenn ich selbst gefilterte Informationen bekomme. Deswegen sollte der Kommentar von Guiseppe öffentlich sein.

Mann im Ohr: „Du kannst ihn nicht nachträglich freigeben, der wurde ja schon vor Monaten als ‘not approved’ gelöscht.“
Ich schaue noch mal nach. Der kleine Mann hat Recht.
Ich: „Ich kann ihn aber abtippen. Das hätte auch den Vorteil, dass ich die echten Namen rauslöschen oder ändern kann.“

Der Kommentar hat mich zum Weinen gebracht. Ich habe mich gefragt, was für ein Arsch das ist. Und warum ich das bei drei Treffen nicht gemerkt habe. Gleichzeitig habe ich mich über mich selbst geärgert. Weil so ein niveauloser kleiner Wichser mich zum Heulen bringt. Und dazu, ‘niveauloser kleiner Wichser’ zu denken. Und dann habe ich gedacht „Wer austeilen kann, muss auch einstecken können.“ und mich selbst beschimpft für diese schwachsinnige Idee, über Dates zu schreiben und den Dates auch noch den Link zu schicken. Hier also der Kommentar im Original, mit allen Kuriositäten der Rechtschreibung und Zeichensetzung:

Wenn ich mich schlecht fühlen muss, nur um nett zu sein, dann bin ich lieber ein Arsch.“ ich greife diese These doch lieber mal auf, weil ich mir denke,dass die Wahrheit wohl letztlich eine andere ist. Ich glaube ich habe ein Helfer Syndrom. Dieses fällt mir immer wieder auf. Deswegen ziehe ich förmliche solche wie Du auch an. Beim Portugiesen habe ich hinterfragt und festgestellt, dass Du ausser Deinem Block…Deinen Nachbarn…Nicht viel im Leben haben musst. Deine Familie scheint eher zweitrangig zu sein, weil Du den Zeitpunkt der Rückrufe bestimmst und Verpflichtungen nicht Dein Ding sind. Deshalb verpflichten sich Männer Dir gegenüber auch nicht und das werden sie auch niemals tun, solange Du Deine Sichtweise nicht mal ordentlich änderst. Ich glaube Du warst die Langweiligste von allen. In Deinen Augen sieht man zu keinem Zeitpunkt einen Glanz oder eine Art der Freude, geschweige denn eine Art der Inneren Zufriedenheit. Ich glaube Du kompensierst mit Deinem „Ich gehöre zur beruflichen Elite“ Geschwafel Kacke, Dein fehlendes Selbstbewusstsein. In der Firma bist Du wer…draussen bist Du einfach nichts.  Noch nicht mal Lachen kann man mit Dir. Du bist zerrissen und voller Komplexe. Deshalb fragte ich mich von Anfang an, wie wichtig Dir Sex sein würde, immerhin als Trostpflaster für die restlichen fehlenden Attribute. Aber ich glaube, das hält ein Mann auch nur begrenzt mit aus. Ich glaube Du würdest beim Sex einfach einschlafen, weil Dein allzu wichtiger Job,Vorrang hat. Seit Jahren fährst Du nicht mehr in den Urluab, so siehst Du auch ehrlich gesagt aus. Ich bin glücklich das ich das Essen nicht bezahlt habe, eher stifte ich das Geld an einen Verein,der Depressive Menschen hilft und Gleichzeitig auch Dir Helfen könnte. Als Du im Restaurant auf Toilette warst, wollte  ich Dich beim Essen sitzen lassen, nachdem das Nachbarpärchen mich schon bemitleidend auf Dich angesprochen hatte. Ich erzählte Ihnen,dass ich Dich bei Tinder kennen gelernt habe. Sie meinten nur “ so ein hübscher Kerl wie Du…such Dir was normales“! Deine Arbeitszeugnisse die Du auf Deinem Block veröffentlichst“ sind einfach nur lächerlich.  Jeder Leser denkt sich seinen Teil. Du machst Dich zum Gespött. Und am Ende wirste gefickt und stehen gelassen. Das Opfer wurde zum Täter, aber suche Dir ein anderes Opfer villeicht findest ja einen in Deiner Firma. Da draußen will Dich keiner

Ich werde das hier nicht kommentieren. Obwohl einige Dinge nicht stimmen.

Mann im Ohr: „Du siehst nicht fertig aus, weil Du nicht in Urlaub fährst.“
Ich: „Wir lassen das unkommentiert.“ Ich gucke streng, aber das sieht der kleine Mann nicht, weil er so tief in meiner Ohrmuschel hockt.
Mann im Ohr: „Du siehst fertig aus, obwohl Du in Urlaub fährst.“

Wir sind Kulturbanausen

Wir, das sind meine Schwester Sophie und ich.

Wir sitzen genau jetzt bei unserem Vater. Der zunächst erfolglos versucht hat, mit uns „Der Schakal“ zu schauen. Und aufgegeben hat, weil seine Töchter die Aufmerksamkeitsspanne ADHS-geplagter Erstklässler haben. Obwohl wir beide über dreißig sind.

Dann hat er – nach eigener Aussage – Musik ‘aufgelegt’. Was in seiner Welt bedeutet, eine Musik-DVD über seine Accuphase-Anlage abzuspielen. Also das Bild über seinen Panasonic-Fernseher, der in seiner Welt „total super, auch nicht viel schlechter als ein neuer“ ist, aber gemessen an meinem 55-Zoll-4K-TV eine Katastrophe. Und den viel zu lauten Ton über die erwähnte Anlage. Er findet Live-Konzerte super. Wir haben unsere Abneigung dagegen von unserer Mutter. Schlimmer als Live-Konzerte sind nur über DVD oder Blu-ray abgespielte Aufzeichnungen von Live-Konzerten. Die bei Papa in Original-Lautstärke laufen, damit man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Einziger Trost ist mein dritter Aperol Spritz. Ob das Dröhnen durch die Lautstärke oder den Aperol bedingt ist, kann ich nicht genau sagen.

Ich höre ein Räuspern. „Ich möchte doch Heidi Klum auch nicht ohne Photoshop sehen.“
Ich: „Bist Du das, kleiner Mann?“
Mann im Ohr: „Wer denn sonst?“
Ich: „Dachte, vielleicht höre ich Stimmen.“
Mann im Ohr: „Du bist doch nicht verrückt.“
Ich: „Was hat Heidi Klum damit zu tun?“
Mann im Ohr: „Oder Julia Stegner oder Cindy Crawford.“
Ich: „Ich peil´s nicht. Aber ich hatte auch schon drei Aperol Spritz.“

Mein Vater fragt, ob ich immer noch auf dem Mann-im-Ohr-Trip sei. Wo er das doch albern findet.

Sophie: „Du gehst ernsthaft auf ein Stones-Konzert?“
Ich: „Leben die noch?“

Mir jagt ein Schauer über den Rücken. Das Trauma mit den Live-Konzerten rührt wahrscheinlich daher. Mein erstes Live-Konzert war das der Rolling Stones, genauer, deren Urban Jungle Konzert im Gelsenkirchener Parkstadion. Ich war da ungefähr zehn. Mein Vater hat mich mitgenommen, weil das ‘ganz sicher’ das letzte Konzert der Stones war. Und jetzt, etwa 25 Jahre später, ist es wieder voraussichtlich ihr letztes Konzert.

Ich: „Wie war das noch mit Photoshop“?
Mann im Ohr: „Alle Frauen sehen gephotoshopt besser aus. Weniger Falten, Cellulite, Hautunreinheiten.“
Sophie: „Männer auch.“

Dass Sophie den kleinen Mann auch gehört hat, ist der ultimative Beweis für dessen Existenz. Soll noch mal einer behaupten, ich sei verrückt.

Ich: „Ich habe weder das eine noch das andere.“ 
Das Kichern überhöre ich.
Mann im Ohr: „Und so ist das bei Live-Konzerten auch.“
Ich: „Die schwitzen ganz eklig und sehen gar nicht sexy aus.“
Mann im Ohr: „Wer?“
Ich: „Mumford and Sons.“
Sophie: „Er meint den Sound.“
Mann im Ohr: „Es gibt Leute, die verstehen mich auch mit Aperol.“
Sophie: „Der ist live viel schlechter als auf den Alben.“
Ich: „Jetzt wo Du´s sagst.“
Sophie: „Die Geräte im Studio sind wie Photoshop für die Stimme.“
Ich: „Warum tut man sich das an?“

Also so ein Live-Konzert. Mal ehrlich, so eine unbearbeitete Stimme ist doch nicht schön.

Mann im Ohr: „Dein Hintern ohne Ph … ch … nicht.“

Der Sound ist so laut, dass ich nicht genau verstehe, was der kleine Mann meint.

„Kulturbanausen seid ihr.“ So tönt es von ganz weit her durch den Gesang von Mumford and Sons. Ich höre nur „I will wait I will wait for you“.

Wann haben wir aufgehört, uns einfach zu treffen?

Ich bin mir nicht sicher, ob Benny und ich ein Date hatten. Bei Patrick stelle ich mir die gleiche Frage. Obwohl das eher was Kumpelhaftes hatte.

Mann im Ohr: „Na Du hast ja auch schon vorher ne Nachricht geschickt, in der Du quasi angekündigt hast, dass nix läuft.“
Ich: „Stimmt nicht.“ 
Mann im Ohr: „Wohl.“
Ich: „War aber nicht so gemeint.“ 
Mann im Ohr: „Wäre es hilfreich, wenn Du demnächst einfach schreibst, was Du meinst?“ 
Ich: „Du solltest an Deiner Fragetechnik arbeiten, wenn Du schon meinst, Du müsstest mich coachen.“ 
Mann im Ohr: „Findest Du nicht, dass geschlossene Suggestivfragen manchmal hilfreich sein können?“
Ich schweige.
Mann im Ohr: „Oder wenigstens nicht schreiben, was Du nicht meinst. Das wäre quasi die Vorstufe von schreiben, was Du meinst.“ 

Ich habe keine Ahnung, was Patrick von mir will. Wann haben wir aufgehört, uns einfach nur zu treffen? Ist jedes Treffen allein mit einem Mann, der theoretisch passen könnte, ein Date? Viele sehen das so. Mir gefällt das nicht. Macht das Ganze so unentspannt.

Mann im Ohr: „Ist das aus den USA rübergeschwappt?“
Ich: „Ich glaube schon.“
Mann im Ohr: „Wie Halloween und der Valentinstag?“
Ich: „Der Valentinstag ist ursprünglich europäisch, meine ich.“ 
Mann im Ohr: „Aber dieser Quatsch mit Blumen und Geschenken und so doch nicht?“ 
Ich: „Jedenfalls war das bei uns sehr lange nicht üblich.“
Mann im Ohr: „Das mit Benny war ein Date.“

Ich wünschte, es wäre ein Treffen gewesen. Ich finde ihn nett.

Der kleine Mann kichert: „Das ist, als würde Angela Merkel einem ihrer Minister ihr Vertrauen aussprechen.“
Ich: „Sehr witzig. Ich finde ihn wirklich nett.“
Mann im Ohr: „Wir befinden uns unmittelbar vor einem Korb.“
Ich: „Wenn es keine Dates wären, müsste ich auch keine Körbe verteilen.“ 
Mann im Ohr: „So konfliktscheu?“
Ich: „Mal ehrlich, das ist jetzt bestimmt vier Wochen her mit unserem ersten Treffen. Er hat keine Anstalten gemacht, schnell ein zweites auszumachen. Und dann haben wir uns noch mal verabredet…“
Mann im Ohr: „Ging von ihm aus. Und er wollte Dich früher sehen und Du warst zu busy.“
Ich: „Ich hasse dieses Wort. ‘Zu busy’ ist der ärmste Korb von allen.“ 
Mann im Ohr: „Hast Du ihm aber mehr oder weniger so gesagt.“ 
Ich: „Ich habe nur gesagt, ich sei jeden Abend anderweitig verabredet. Stimmte doch. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und dann habe ich ihm ja einen Termin angeboten. Eine Woche im Voraus verabredet und dann geht er lieber zu einer Feier ins Labor. L A B O R. Wer verbringt denn einen Abend lieber in einem Labor als mit mir und einem Glas Wein?“
Mann im Ohr: „Er hat gesagt, er will Dich wiedersehen.“ 

Ich: „Man soll Menschen an Taten messen, nicht an Worten. Außerdem hat er das nicht.“
Mann im Ohr: „Doch, ich bin mir sicher.“ 
Ich öffne die Konversation und lese vor: ‘Was aber nicht heißt, dass ich Dich nicht wiedersehen mag.’
Mann im Ohr: „Ach, das ist doch quasi die Vorstufe von ‘Ich will Dich wiedersehen.’.“

Ich war nicht mal enttäuscht. Ich hab mich gefreut, dass ich allein zuhause bleiben und mich auf´s Sofa fläzen kann. War mir viel lieber.

Mann im Ohr: „Wir haben es hier wohl mit zwei Menschen zu tun, die einfach nicht aufeinander stehen und beide keine Eier haben, das auszusprechen.“
Ich: „Was auch nicht nötig wäre, wenn dieser ganze Dating-Quatsch nicht wäre.“